Schlägereien vor Jugendschöffengericht: Ein Freispruch und zwei Verurteilungen

Biss in den Oberarm

Bad Hersfeld. Es fing mit viel Alkohol an und endete in blutigen Schlägereien. Auf diesen gemeinsamen Nenner lassen sich die beiden Fälle bringen, in denen sich junge Menschen aus Bad Hersfeld in dieser Woche vor dem Jugendschöffengericht wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten mussten.

Bisse und Faustschläge

Sie hätten ordentlich „vorgeglüht“, gab einer der Zeugen an, bevor er und seine drei Freunde sich in der Nacht zum 1. Mai 2008 zum Feiern in das Nachtcafé in Unterhaun begaben. Als sie auf der Tanzfläche Fotos von sich schießen wollten, soll ihnen dabei einer der insgesamt drei Angeklagten immer wieder ins Bild gesprungen sein. Als man den Provokateur aufforderte, dies zu unterlassen, scharte er seine Freunde um sich und griff die Gruppe mit Tritten an. Zwar konnte dieser Streit durch die Türsteher geschlichtet werden, doch kam es später auf dem Parkplatz vor der Diskothek zu einer zweiten Konfrontation. Das spätere Opfer sei unter dem Vorwand, sich aussprechen zu wollen, einem der Angeklagten nach draußen gefolgt. Dort wurde ihm dann, von mindestens vier Personen eingekreist, zunächst eine brennende Zigarette auf der Wange ausgedrückt, bevor ihm einer der Angeklagten in den rechten Oberarm biss und die ganze Gruppe mit Fäusten auf ihn einschlug.

Auch wenn für Staatsanwältin Heike Meeuw-Wilken kein Zweifel daran bestand, dass sich die Vorfälle in dieser Nacht so zutrugen und die drei Angeklagten irgendwie an der Tat beteiligt waren, waren die vier Zeugenaussagen indes zu widersprüchlich, um zweifelsfrei klären zu können, wer was wann tat. Der von ihr beantragte Freispruch wurde von Richter Dr. Rolf Schwarz und den zwei Schöffen bestätigt.

Als „stark alkoholisiert“ bezeichnete sich einer der Angeklagten, ein 20-jähriger Schüler, im zweiten Verfahren, als er in der Nacht zum Lollssonntag 2009 zusammen mit seiner Freundin mit dem Autoscooter fuhr. Während der Fahrt sei er wiederholt mit einem anderen Wagen zusammengestoßen woraufhin sich die Insassen gegenseitig immer stärker provozierten hätten.

Nach der Fahrt, so gab er zu, habe er den 16-jährigen Geschädigten zweimal geohrfeigt. Die Faustschläge, die zu einer gebrochenen Nase führten, fügte dem Schüler aus Neuenstein jedoch der zweite Angeklagte zu. Der 22-Jährige hatte das Opfer bereits während der Fahrt vom Rand des Fahrgeschäftes aus angespuckt. Er habe nur zwischen den Streitenden schlichten wollen, gab der Angeklagte an und bestritt jede Beteiligung an der Tat.

Doch sah das Gericht seine Schuld als erwiesen an und verurteilte ihn wegen gefährlicher Körperverletzung zu sechs Monaten Freiheitsentzug auf Bewährung sowie 100 Arbeitsstunden. Sein reuiger Mitangeklagter wurde nach Jugendstrafrecht wegen einfacher Körperverletzung zu 50 Arbeitsstunden verurteilt.

Von Stefanie Poppe

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