Bad Hersfelder Stadtverordnete wollen die Sozialcard attraktiver machen

Bisher nur ein Ladenhüter

Bad Hersfeld. Mit der Sozialcard bietet die Stadt Bad Hersfeld Bedürftigen Vergünstigungen beim Strombezug, im Schwimmbad und bei kulturellen Veranstaltungen an. Doch die vor gut einem Jahr eingeführte Karte ist ein Ladenhüter. Nur ein Bruchteil der Empfangsberechtigten – im Stadtgebiet etwa 2000 Personen in 600 Haushalten, überwiegend Hartz IV-Empfänger – hat bisher einen Antrag gestellt.

„Die Vermarktung und die Präsenz der Sozialcard sind nicht optimal“, kritisierte die Stadtverordnete Sara Roller jetzt im Sozialausschuss. Ihre Fraktion von SPD, Grünen und FWG hatte sich vor der Sommerpause im Stadtparlament für eine erhöhte Attraktivität der Karte stark gemacht. Der entsprechende Antrag wurde seinerzeit wegen zu allgemeiner Formulierung in den Ausschuss überwiesen.

Dort kam man jetzt allerdings auch nicht viel weiter. Namens der Verwaltung vermisste Bürgermeister Thomas Fehling einen konkreten Arbeitsauftrag, weshalb die Ausschussmitglieder auch keine beschlussreife Sitzungsvorlage vorfanden.

Bisher wird die Karte von den Stadtwerken ausgegeben und verwaltet. Wer anderes wolle, so Fehling, müsse sagen, was die aus- beziehungsweise überlasteten städtischen Bediensteten für diese Arbeit liegenlassen sollen. Bei einer externen Vergabe dieser Arbeit müssten finanzielle Mittel bereit gestellt werden.

Wolkig wurde deshalb verabredet, dass zunächst einmal jede Fraktion unter der eigenen Klientel nach potenziellen Partnern forscht, die Bedürftigen weitere Vergünstigungen gewähren wollen. Auf diese Art und Weise soll es beim nächsten Sitzungstermin etwas konkreter werden.

Auch für das Problem der „Diskriminierung“ fand sich auf die Schnelle keine Lösung. Die Akzeptanz der Karte leidet nämlich auch darunter, weil sie ihre Nutzer als bedürftig bloßstellt. Immerhin: Der Bürgermeister dachte laut über eine Software nach, die auf einer allgemeinen Hersfeld-Card den zustehenden Rabatt im Hintergrund, also nicht sichtbar, gewährt.

Als Horst Zanger (Die Linke) dann aber noch eine Diskussion über die Höhe der Vergünstigungen anzuzetteln versuchte, hakte Fehling ein und fragte, ob es Aufgabe der Stadt sei, die Hartz IV-Sätze aufzustockken. Kommentar

Von Karl Schönholtz

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