Bad Hersfelder Festspiele: Slapstick verbunden mit Filmgeschichte

Biografischer Klamauk: "Laurel & Hardy" hatte Premiere am Eichhof

Klassiker: Bekannte Dick-und-Doof-Sketche wie der Kampf der Komiker Stan Laurel (Roland Renner, rechts) und Oliver Hardy (Ulrich Bähnk) mit der Stehleiter sind fester Bestandteil des Eichhof-Stücks Laurel & Hardy. Siegfried Gerlich begleitet das Stück am Klavier. Fotos: Landsiedel

Bad Hersfeld. Wer sich auf ein Theaterstück über das Leben von Dick und Doof einlässt, der muss mit Slapstick, schrillem Klamauk und mehr oder weniger flachen Wortspielen rechnen. Dieser Erwartung wird Tom McGraths „Laurel & Hardy“, das am Donnerstagabend in der Inszenierung von Michael Bogdanov im Schloss Eichhof Premiere bei den Bad Hesfelder Festspilen feierte, voll gerecht. Und das kann durchaus vergnüglich sein.

Auf der weitgehend in schwarz gehaltenen Bühne sind – neben Holzkisten und Stühlen – zwei mit Kostümen vollgepackte Kleiderständer die wichtigsten Requisiten. Die benötigen Stan Laurel (Roland Renner) und Oliver Hardy (Ulrich Bähnk), um in dem Zweimann-Stück blitzschnell in weitere Rollen zu schlüpfen. Herrlich albern gibt Renner im rosa Kleid Oliver Hardys singende Mutter, während Bähnk derweil mit Baby-Mütze Schaumküsse futtert wie ein Mähdrescher – und gelegentlich mit vollem Mund mit einstimmt. Ansonsten wird vom Kampf mit der Leiter bis zum auf dem Kopf zerdepperten Ei kaum ein Dick-und-Doof-Gag ausgelassen. Dieser Humor entlockt den Zuschauern freundlichen Applaus und – insbesondere den Älteren im Pubikum prustende Lacher.

Feines Mienenspiel

Die Soundeffekte für alle Ohrfeigen, Tritte und Stürze steuert übrigens Pianist Siegfried Gerlich mit allerlei Utensilien live bei. Was das Timing betrifft, scheint sich das Trio, das bereits in Hamburg geneinsam auf der Bühne stand, erst wieder aufeinander einspielen zu müssen. Die Inszenierung lebt vom feinen Mienenspiel der Akteure: Ulrich Bähnk wird durch spitzbübisches Grinsen, hochgezogene Schultern zum krawatten-winkenden Olli, Roland Renner dank zur Schau getragener Naivität zum sensiblen Einfaltspinsel Stan.

Dick und Doof: Laurel & Hardy bei den Bad Hersfelder Festspielen

Im Verlauf des Stücks arbeiten die Schauspieler aber auch fein das gegensätzliche Wesen der Privatleute Stan Laurel und Olliver Hary heraus – besonders eindringlich gegen Ende, als die Komiker angesichts des ausbleibenden Erfolgs nur noch eine Karrikatur ihrer selbst sind.

Dass im Stück die Lebensgeschichte erzählt wird, führt leider dazu, das die Monologe und Dialoge streckenweise etwas biographisch überfrachtet wirken.

Die Kleisterschlacht am Tapeziertisch kurz vor der Pause wäre am Premierenabend übrigens nicht nötig gewesen – für feucht-fröhliches Treiben auf der Bühne und in den vorderen Publikumsreihen sorgte ein kräftiger Regenschauer.

Eine Unterbrechung, in der die Schauspieler den Pianisten und die Zuschauer sich selbst in Regenponchos hüllen, überbrückten Bähnk und Renner geschickt und stimmten „I'm singing in the Rain“ an. Die Fähigkeit zur Improvisation, die schon ein Teil von Stan Laurels und Oliver Hardys Erfolgsrezept war – sie verhalf auch diesem Theaterabend zu einem ungeplanten Höhepunkt. (jce)

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