Bad Hersfelder Festspiele 2010: Stippvisite von „Sommergäste“-Regisseur Berruti

Die Bilder schon im Kopf

„Sommergäste“-Regisseur Jean-Claude Berruti (links) und Bühnenbilder Rudi Sabounghi gestern in der Stiftsruine. Foto: Schönholtz

Bad Hersfeld. Wenn Festspiel-Intendant Hock Freytag heute Mittag sein Ensemble für die Spielzeit 2010 vorstellt, dann ist einer nicht mit dabei: Jean-Claude Berruti, der Intendant der Komödie von St. Etienne, der in der in der Stiftsruine Maxim Gorski Gesellschafts-Drama „Sommergäste“ inszenieren wird. Berruti war nämlich gestern schon in Bad Hersfeld, um letzte Hand an die Pläne für das Bühnenbild zu legen, doch dann musste der vielgefragte Theatermacher auch schon wieder weg.

Dass ihn Bad Hersfeld diesmal frostig empfangen hat, kann den Franzosen nicht schrecken. „Ich kenne Wind, Regen, Kälte und viel zu viel Sonne,“ verweist Berruti auf eigene Erfahrungen mit Theater unter freiem Himmel, die er beim Theatre du Peuple in Bussang/Lothringen gemacht hat.

Reizvolle Kontraste

Auch große und sehr große Bühnen sind ihm deshalb nicht fremd. Allerdings, eine so riesige wie die in der Stiftsruine, diese Dimensionen sind auch für Berruti Neuland. „Ich möchte diese Bühne horizontal ausnutzen“, sagt er, „die Bilder davon habe ich schon im Kopf.“ Wenn man ihn bittet, diese Bilder zu beschreiben, dann sinniert Berruti über „modernes Theater in einer Kulisse von Caspar David Friedrich.“

Überhaupt liegt für ihn der Reiz der „Sommergäste-Inszenierung in den Kontrasten. Denn eigentlich ist das Stück, das von einer Gesellschaft erzählt, die von der Geschichte längst überholt worden ist, ein Kammerspiel.

„Sommergäste verlangt nicht nach einer großen Bühne, aber das ist gerade das Interessante für Regisseur und Schauspieler“, sagt der Franzose, der sich dabei vor allem mit einer Frage beschäftigt: Wie gibt man das Gefühl von Nähe in einen großen Raum? Oder auf das Publikum bezogen: Wie kann der Zuschauer bei einem intimen Stück in einem riesigen Raum echtes Theatervergnügen erleben? Die Antwort gibt er sich selbst: „Wenn es klar erzählt ist.“

Jean-Claude Berruti ist nicht nur Intendant in St. Etienne, der Stadt mit der großen Kohlebergbau-Tradition, sondern er ist auch Präsident der ETC, der Europäischen Theater-Convention. Im Führungsgremium der ETC hat er vor fünf Jahren Holk Freytag kennen gelernt. Als der dann Intendant in Bad Hersfeld wurde, machte es „klick“: Freytag wollte Berruti, und Berruti wollte schon immer einmal nach Bad Hersfeld, denn schon in Bussang hatte er von der Stiftsruine gehört.

Drittes Argument für das Engagement des auch im Rheinland aufgewachsenen und fließend Deutsch sprechenden Franzosen: das Stück. „Ich habe die Inszenierung von Peter Stein an der Schaubühne in Berlin gesehen,“ sagt Berruti und schwärmt noch heute von diesem 35 Jahre zurückliegenden Theatererlebnis. Selbst inszeniert hat er die „Sommergäste“ bislang noch nicht. „Holk Freytag hat mich gefragt, ob ich jetzt bereit dazu bin“, sagt Berruti und fügt hinzu: „Ich habe Ja gesagt.“

Karten für die „Sommergäste“ und alle anderen Stücke gibt es beim Ticket-Service der Festspiele, Am Markt 1, in Bad Hersfeld, Telefon 06621/201-360, oder online unter www.bad-hersfelder-festspiele.de

Von Karl Schönholtz

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