Alljährliche Versteigerung von Fundsachen spült 971 Euro in die Stadtkasse Hersfelds

Bieten und feilschen

Von der Atmosphäre beflügelt erhält während der Versteigerung sogar ein Zuschauer die Möglichkeit, sich als Auktionator zu versuchen. Auktionatorin Nadine Möller (rechts neben dem Rad) von der Stadtkasse Bad Hersfeld ist von so viel Einsatzbereitschaft sichtlich begeistert. Foto: Witt

Bad Hersfeld. Ein Gebiss, Schmuck aller Art, ein Paar Reifen und zahlreiche Fahrräder: Es ist schon erstaunlich, was sich alles an unterschiedlichen und teils auch merkwürdigen Gegenständen im Laufe eines Jahres im Fundbüro der Stadt Bad Hersfeld angesammelt hat. Doch noch erstaunlicher ist es, dass viele den Verlust ihres Eigentums nicht bemerken. So füllt sich allmählich das Fundbüro. Da man sich dort jedoch nicht auf ewig um das Eigentum anderer kümmern kann, wird alljährlich eine öffentliche Versteigerung veranstaltet.

Auf 95 Gegenstände bieten

Bei Nadine Möller von der Stadtkasse Bad Hersfeld kommt in der City Galerie fast alles unter den Hammer. Ingesamt 95 Gegenstände sollen so einen neuen Besitzer finden. Kein Wunder, dass viele der vorbeilaufenden Passanten neugierig werden und selbst beim Bieten ihr Glück versuchen. Dabei verläuft die Versteigerung alles andere als geordnet.

Gereizte Atmosphäre

Denn als Auktionatorin Möller um 16 Uhr mit der Versteigerung der Fahrräder beginnt, wird bereits geschubst und gedrängelt. Nach kurzer Vorstellung des ersten Rades fliegen ihr schon die ersten Gebote um die Ohren und so schnellt das Startgebot von einem Euro bereits auf 30 Euro hoch. Verärgert über die Geräuschkulisse, machen die Zuschauer ihrem Ärger lautstark Luft.

Zwischen Rufen wie „Lauter!“ und „Man versteht Sie hier nicht!“ bemüht sich Nadine Möller, einen klaren Kopf zu bewahren. So wechselt schließlich ein Gegenstand nach dem anderen den Besitzer. Doch als sie dann eine kurze Pause einlegt, übernimmt ein ungeduldiger Zuschauer für kurze Zeit die Moderation, was Nadine Möller sichtlich begeistert. Dabei präsentiert der selbsternannte Sparfuchs und Schnäppchenjäger unter den wachsamen Augen Möllers gleich das nächste Rad.

Interesse treibt an

Aber weniger die Ungeduld als vielmehr das eigene Interesse treibt ihn an. Denn während er vorne das Rad mitsamt seinen zahlreichen Mängeln schlechtzureden versucht, bietet seine Partnerin im Hintergrund mit. Als diese dann auch noch für 31 Euro den Zuschlag für das Rad erhält, wird ein Mitbieter richtig böse. „Das ist nicht zu fassen. Ist es normal, dass man sich hier etwas selbst ersteigert?“, ruft ein älterer Herr mit bitterböser Miene. Zur Entschärfung der offensichtlich gereizten Atmosphäre greift Nadine Möller durch und übernimmt wieder ihre Rolle als Auktionatorin.

Pfiffig ist aber auch ein Rentner. Anstatt auf die einleitenden Worte von Nadine Möller zu warten ruft er: „Ein Euro! Zum Ersten, zum Zweiten und zum Dritten und das Rad gehört mir“. Zwar bekommt dieser dann auch das Rad, doch Nadine Möller wirkt damit zufrieden, den alten und klapprigen Drahtesel endlich loswerden zu können. Der Rest der Auktion vergeht dann zügiger.

Einnahmen von 971 Euro

Der Schmuck findet besonders bei den Damen ein großes Interesse und das iPhone 3G wechselt sogar für 64 Euro den Besitzer. Nur das Gebiss, das bereits im Juli 2011 gefunden wurde, möchte keiner haben. Insgesamt ist die Versteigerung der Fundsachen in diesem Jahr ein voller Erfolg. Lag der Erlös des vergangenen Jahres noch bei 749 Euro, wurden diesmal 971 Euro eingenommen.

Von Adrian Witt

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