Kompliziertes Bußgeldverfahren gegen Bordellbetreiber aus Bad Hersfeld

Bier nur von den „Damen“

Bad Hersfeld. Wie stellt man sich einen Zuhälter, Pardon Bordellbetreiber vor? Dicke Oberarme, dicke Goldkette, dickes Auto und Solariumbräune? Nicht in Bad Hersfeld. Dick war nämlich nur der Bauch des alten, gesundheitlich angeschlagenen Mannes, der gestern als Angeklagter vor Gericht erschien und mit schleppender Sprache Auskunft über den Getränkeumsatz im sogenannten „Hexenhäuschen“ gab.

Denn nur darum ging es: Weil durstige Freier und andere Kundschaft mit Bier zu zwei Euro und Piccolo-Sekt zu fünf Euro versorgt wurden, das Bordell jedoch nicht über die erforderliche Gaststättenlizenz verfügte, machte die Stadt Bad Hersfeld nach zwei Kontrollen in den Jahren 2007 und 2009 Bußgeld in Höhe von 38 872 Euro geltend.

„Ich persönlich habe nicht eine Flasche Bier verkauft. Nie. Das schwöre ich,“ beteuerte der 67-Jährige ein ums andere Mal und glaubte sich damit auf der sicheren Seite. Zwar habe er ab und an Getränke geholt, doch für den Verkauf seien alleine „die Damen“ zuständig gewesen.

Was der Angeklagte auf die Nachfragen von Richter Michael Roth und Amtsanwältin Kerstin Diegelmann über Geschäfte und Abrechnungen im „Hexenhäuschen“ erzählte, ließ dann allerdings erhebliche Zweifel an seinem Status aufkommen.

Demnach arbeiteten die drei bis fünf anwesenden „Damen“ auf eigene Rechnung, teilten sich am Monatsende jedoch in die Miete, die der Bordellbetreiber, der sich selbst als „Aufpasser“ bezeichnete, an Hauseigentümer überweisen musste.

Für ihn selbst seien in guten Zeiten 400 bis 600 Euro übrig geblieben, in nicht so guten noch weniger. Momentan laufe das Geschäft sogar ganz schlecht, sagte der Angeklagte, mit nur noch einer Frau aus Polen und auch die wolle wohl bald weg. Miete würde momentan überhaupt keine gezahlt.

Wer in besseren Zeiten hier wem was und wofür gezahlt hat und wie das mit den Getränken nun wirklich war, das will das Gericht nun beim Fortsetzungstermin am 12. April mit Hilfe von Zeugen herausfinden.

Von Karl Schönholtz

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