Jetzt läuft die Honig-Produktion – Obstbauern haben gelitten

Bienen gleichen den kalten Saisonstart aus

Hersfeld-Rotenburg. Der sprichwörtliche Fleiß der Bienen sorgt dafür, dass die waldhessischen Imker trotz der kalten Mai-Wochen, in denen die Bienenvölker im Stock blieben, mit einer respektablen Honigernte rechnen.

„In den vergangenen zehn Tagen haben die Bienen kräftig aufgeholt“, sagt der Friedewalder Imker Hans Pietsch, der zwanzig Bienenvölker unterhält.

Seine Kollegin Claudia Ruch aus Bengendorf kann den Erfolg schon beziffern: Am vergangenen Wochenende hat sie zum ersten Mal in der Saison Waben geschleudert und 150 Kilo Honig abgezapft – genug für 300 handelsübliche Gläser. „Aber die Obsternte wird leiden“, sagt sie, denn als die Apfelbäume blühten und hätten bestäubt werden müssen, waren die emsigen Nektarsammler kaum unterwegs. Bienen starten erst ab zwölf Grad Celsius richtig durch.

Existenzielle Krise

Trotz des augenblicklichen Erfolgs bleibt die Imkerei allerdings in einer existenziellen Krise. Johann Roland Walter, Imker in Hönebach und Vorsitzender des 32 Mitglieder zählenden Imkervereins Werratal, nennt die Gründe: Pestizideinsatz in der Landwirtschaft, ständige Bedrohung der Völker durch Krankheiten und Schädlinge wie die Varoa-Milbe, Blütenarmut durch Monokultur in der Landschaft. „Wenn der Raps abgeblüht ist, fehlt den Bienen die Anschlussnahrung“, sagt Walter.

„Die Biene ist ein Umweltsensor“, unterstreicht Claudia Ruch. Schließlich sei die Honigernte nur eine Seite der Medaille. Dadurch, dass die Bienen bei ihren Sammeleinsätzen den Blütenstaub von Pflanze zu Pflanze tragen, sorgen sie auch in anderen Bereichen der Landwirtschaft für gute Ernten und für botanische Artenvielfalt.

Auch unter diesem Aspekt werben die Imker um Nachwuchs. Denn die Zunft der Bienenwirte überaltert allmählich. Zum Tage Hintergrund

Von Peter Lenz

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