Vorsitzender der Initiative Sozial erhebt schwere Vorwürfe gegen den Kreis

Bewusst Infos verschwiegen

Bad Hersfeld. „90 Prozent aller Leistungsbescheide über Hartz IV oder Sozialhilfe sind falsch“, sagt Gerhard Amend, der Vorsitzende der Initiative Sozial im Landkreis Hersfeld-Rotenburg. Weit über die Hälfte seien zum Nachteil der Betroffenen verkehrt berechnet.

Dieses Problem gibt es nach Amends Überzeugung nicht nur im Kreis Hersfeld-Rotenburg, sondern bundesweit. Wer gegen seinen Bescheid Widerspruch einlegt oder vor dem Sozialgericht klagt, hat gute Chancen, Recht zu bekommen.

Diese Erfahrung hat Amend am eigenen Leib gemacht. Er ist selbst Leistungsbezieher, stellte fest, dass viele Bescheide nicht korrekt sind und fing an, sich schlau zu machen. Vor vier Jahren gründete er gemeinsam mit anderen die Initiative Sozial, seit zwei Jahren bietet er regelmäßig Sprechstunden im Bürgerhaus Hohe Luft an (immer montags von 14 bis 17 Uhr). Die Beratung von Menschen, die Zweifel an der Richtigkeit ihres Bescheids haben, die von Kürzungen betroffen sind oder zu 1-Euro-Jobs verpflichtet werden, ist seitdem die zentrale Aufgabe der Initiative Sozial.

Die Ratsuchenden werden auf Wunsch zu den Ämtern begleitet, erhalten Formulierungshilfen für Anträge und Widersprüche und werden über ihre Rechte informiert. Seine Erfolgsquote beziffert Gerhard Amend dabei auf 100 Prozent. Nicht immer, so räumt er ein, könne das Optimale herausgeholt werden, eine Verbesserung sei jedoch in der Regel möglich.

Darüber hinaus versuchen die Mitglieder aber auch, den Betroffenen ganz praktisch zu helfen. Sie organisierten Spenden, verteilten Schultüten und helfen alleinstehenden und allein lebenden Menschen, wenn sie ins Krankenhaus müssen und niemanden haben, sich um sie kümmert.

Öffentliche Unterstützung erhält die Initiative, die zehn Mitglieder hat, davon vier aktive, lediglich von der Stadt Bad Hersfeld, die zum Beispiel den Raum im Bürgerhaus Hohe Luft kostenfrei zur Verfügung stellt. Bei Bürgermeister Hartmut H. Boehmer finde er jederzeit ein offenes Ohr, lobt Gerhard Amend.

Im Kreis, davon ist Gerhard Amend überzeugt, „sind wir politisch nicht gewollt.“ Vereinszuschüsse gebe es deshalb keine für die Initiative. Er weiß, dass er sich oft unbeliebt macht, wenn er zum Beispiel Sachbearbeitern vorwirft, den Hilfebedürftigen bewusst Informationen über ihnen zustehendes Geld zu verschweigen.

Er hat aber auch festgestellt, dass sich in den vergangenen Monaten viel verändert hat in der Verwaltung. „Die Bereitschaft, nachzugeben und die Dinge so zu regeln, wie es sich gehört, ist deutlich gewachsen“, stellt Amend fest.

†  Angst vorm Amt

Von Christine Zacharias

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