Werner Zuschlag zählt die Tage, bis er die Nordschulteiche für Wintersport fit machen kann

Er bewacht die Eisfläche

Unorthodoxes Messgerät: Werner Zuschlag hat die Eisdecke an den Nordschulteichen mit einem Zweig gemessen. Foto: Strecker

Bad Hersfeld. Kaum jemand in der Festspielstadt kennt ihn nicht, den Eisvogt. Werner Zuschlag kann es kaum erwarten, dass die Eisdecke am oberen Nordschulteich zwölf Zentimeter dick ist. Erst dann gibt die Stadt das Eis frei für Schlittschuhläufer und Eisstockspieler. „Die Chancen stehen aber gut, dass es am Wochenende soweit ist. Entscheiden wird sich das am Freitag, wenn einer von der Stadt das Eis kontrolliert“, sagt Zuschlag. Und zählt die Tage.

Der 62-Jährige Hersfelder tappt mit seinen warmen Winterstiefeln über die eingeschneite Eisdecke am oberen Nordschulteich. Es knackt und knirscht. Das beeindruckt Werner Zuschlag nicht. Nahe am Ufer setzt er eine Bohrmaschine an und drückt zu, bis sich das Metall durch das Eis gefressen hat. Mit einem dünnen Zweig, den er durch die Öffnung schiebt, und etwas roter Farbe stellt Zuschlag fest, dass ihn noch sechs Zentimeter Eisdecke von seinem ersten Einsatz als Eisvogt in diesem Winter trennen.

Hütte statt Bauwagen

„Diesmal werde ich hier zwischen den Teichen nicht in einem Bauwagen, sondern in einer der Hütte sitzen, die auf dem Weihnachtsmarkt standen“, sagt Zuschlag. Dafür setze sich der Stadtmarketingverein ein. Was auch 2010 für Eisspaß ab 14 Uhr bis nach Sonnenuntergang sorgen soll, sind die Flutlichter, eine Feuertonne sowie dampfender Glühwein und Apfelpunsch an Zuschlags Stand. Seit ungefähr 20 Jahren kümmert sich der Unternehmer um den Eisspaß.

Die Idee dazu sei an einem Sonntagnachmittag beim Schlittschuhlaufen vor etlichen Jahren entstanden. „Ich habe mit ein paar älteren Hersfeldern davon geschwärmt, wie toll das Eislaufen war, als es noch heiße Getränke bei gemütlicher Atmosphäre gab“, sagt er. Das hatte aufgehört, als der damalige Bademeister Jochen Kornder im Winter nicht mehr für die Nordschulteiche zuständig gewesen sei.

Der Entschluss war schnell gefasst: Zuschlag nahm das Bewachen des Eises für die Zeit in die Hand, in der es für den Wintersport tauglich ist. „Jochen Kornder und Klaus Strippel haben mir sehr oft geholfen. Besonders am Anfang.“ Seitdem hortet er Schlittschuhe und Eisstöcke. 100 Paar hängen momentan in seiner Werkstatt. Und jedes Jahr kommen neue dazu. Die ganze Vorbereitungsarbeit machte er in einem Jahr für nur drei Tage Eislaufen, in einem anderen für knapp vier Wochen am Stück. Zweimal am Tag gleitet er dann mit seinem Rasenmäher-Traktor über das Eis, befreit es vom Schnee und poliert.

Nachdem die Stadt das Befahren der Teiche im vergangenen Jahr nicht erlaubt hatte, stellte Zuschlag diesmal einen offiziellen Antrag für das Eisvergnügen. Er wurde bewilligt – vorausgesetzt, die Eisdecke erreicht zwölf Zentimeter. Jetzt misst Zuschlag alle paar Tage, hofft und freut sich darauf, auch selbst wieder beim Eisstockschießen mitzumachen.

Von Judith Strecker

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