Süchtiger wegen räuberischen Diebstahls angeklagt

Auf Beutesuche im Krankenhaus

Bad Hersfeld. Von den Drogen kommt er nicht los, und das geht ins Geld. Ist keins da, wird er kriminell: Das ist der Teufelskreis, in dem sich ein 50 Jahre alter Ex-Hersfelder, der jetzt im Kreisteil Rotenburg zu Hause ist, seit vielen, vielen Jahren bewegt. Jetzt stand er wegen zahlreicher neuer Vorwürfe der Staatsanwaltschaft ein weiteres Mal vor Gericht.

Ausgerechnet beim schwerwiegendsten Anklagepunkt, einem räuberischen Diebstahl, widersprach der ansonsten weitgehend geständige Mann, sodass das Schöffengericht zunächst noch kein Urteil fällen konnte und bei einem Fortsetzungstermin in der nächsten Woche Zeugen gehört werden müssen.

Vor die Brust geschlagen

Die Frage ist nämlich, ob der Angeklagte im April vergangenen Jahres bei seinem Beutezug in einem Stationszimmer des Rotenburger Herz- und Kreislaufzentrums nach der Entdeckung durch mehrere Krankenschwestern gewalttätig geworden ist oder nicht.

Wie intensiv das „Gerangel“ zwischen dem Dieb und den Frauen, von denen er eine vor die Brust geschlagen und eine andere am Finger verletzt haben soll, tatsächlich war, das ließ sich in der Verhandlung nicht klären.

Während die Verteidigung auf einen einfachen gewerbsmäßigen Diebstahl abzielte, hielt Amtsanwältin Kirsten Diegelmann als Vertreterin der Staatsanwaltschaft vorläufig am Vorwurf des räuberischen Diebstahls fest.

Andere Anklagepunkte ließ der 50-Jährige durch seine beiden Rechtsbeistände Fritz Kramer und Christian Kusche einräumen: so den Diebstahl einer Goldkette im Wert von etwa 1200 Euro aus einem Zimmer des Altenzentrums Hospital in Bad Hersfeld. Die Kette hatte er in Kassel flugs gegen zehn Gramm Heroin eingetauscht.

Bei einem weiteren Diebstahlsversuch in dieser Einrichtung will der Ex-Hersfelder angesichts einer schlafenden alten Dame von seinem Vorhaben abgelassen haben. „Sie tat mir leid“, sagte er vor Gericht.

Nur Fahrgelegenheit

Einen der beiden angeklagten Autodiebstähle gab der Drogensüchtige unumwunden zu, doch nicht etwa um den Wagen zu behalten, sondern nur als Fahrgelegenheit. Den Schlüssel hatte er sich beim Besuch einer Behörde in Bad Hersfeld besorgt.

Für einen weiteren Pkw-Diebstahl hatte er ein Alibi vorzuweisen: Zur Tatzeit will er beim Arzt gewesen sein. Doch auch dafür soll es Tatzeugen geben, die nun gehört werden sollen.

Von Karl Schönholtz

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