21-Jähriger hoffte auf 10 000 und bekam mehr als 100 000 Euro – Jugendstrafe

Beute-Schock für Tresor-Dieb

Bad Hersfeld. Auf fette Beute hatte er schon gehofft. Etwa 10 000 Euro, so dachte der junge Mann aus Bad Hersfeld, würde der Tresor, den der Vater seiner Freundin im Wohnzimmer versteckt hatte, enthalten.

Doch als der heute 21-Jährige an einem Abend im Juli 2011 zur Tat schritt, das Behältnis in Abwesenheit der Hausbewohner stahl und das dünne Blech aufgehebelt hatte, da erlebte er einen regelrechten Schock: Geld, Münzen und Goldbarren im Wert von mehr als 100 000 Euro enthielt der Tresor, mehr als das Zehnfache des Erwarteten.

Altes Auto behalten

Dass die Geschichte irgendwann herauskam, ergibt sich schon aus dem Umstand, dass sich der Azubi jetzt vor dem Jugendschöffengericht des Amtsgerichts Bad Hersfeld verantworten musste. Doch nach der Tat dauerte es immerhin neun Monate, bis die Polizei dem Hersfelder auf die Schliche kam. Zwar war es letztlich sein unverhältnismäßig aufwendiger Lebenswandel, der den Tresor-Dieb in den Fokus der Ermittler rücken ließ, doch beim Ausgeben des Geldes hatte der junge Mann eine gewisse Vorsicht an den Tag gelegt: Den 30 000 Euro teuren Mini-Cooper, den er sich zugelegt hatte, gab er als das Auto eines Kumpels aus, seinen alten Pkw hatte er behalten.

Planvolles Vorgehen

Sage und schreibe 80 000 Euro brachte der aus geordneten Verhältnissen stammende Hersfelder unter die Leute, ehe die Sache aufflog.

Vor Jugendrichterin Michaela Kilian-Bock und den beiden Schöffen legte der Angeklagte ein umfassendes Geständnis ab, in dem er weder sein planvolles Vorgehen noch den Vertrauensbruch gegenüber der Familie seiner Freundin bemäntelte.

So hatte er schon eine Woche vor dem Diebstahl am Schlüsselbund der jungen Frau den Haustürschlüssel gegen einen anderen ausgetauscht. Als ihre Eltern dann die Tochter für einen Kurzurlaub zum Flughafen brachten, sah der Azubi seine Chance gekommen.

Staatsanwalt Harald Reith und Verteidiger Christian Kusche kamen beide nicht umhin, hier eine „Schwere der Schuld“ festzustellen.

Doch neben seinem Geständnis hatte der 21-Jährige auch Positives zu bieten: Gemeinsam mit seinem Anwalt hat er bereits ungewöhnlich große Anstrengungen zur Schadenswiedergutmachung begonnen. Der Mini-Cooper ist wieder verkauft, einige Goldbarren wurden zurückgegeben. Ein Sparbrief wird übereignet, ein Schuldanerkenntnis unterschrieben: Insgesamt 40 000 Euro sind aktuell schon beglichen, bleiben noch 59 000 offen.

Obwohl das Gericht den Diebstahl als „einmalige Geschichte“ betrachtete, wird der Heranwachsende demnächst erneut auf der Anklagebank sitzen: Um seinen ausschweifenden Lebenswandel zu erklären, hatte er gegenüber der Polizei allen Ernstes behauptet, er habe sich das Geld als Rauschgift-Dealer „verdient“. Weil der Hersfelder zeitweise Marihuana gekifft hatte, musste diese Selbstbezichtigung nicht von vornherein in Zweifel gezogen werden.

Ein Jahr auf Bewährung

Für den geklauten Tresor gab es jetzt ein Jahr Jugendstrafe, die für zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wird. Das Urteil wurde im allgemeinen Einverständnis sofort rechtskräftig.

Von Karl Schönholtz

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