Intendant Holk Freytag sucht dringend erschwingliche Quartiere für sein Ensemble

Betten für die Festspiele

Probeliegen im Flur: Holk Freytag hat schon mal die Couch vor seinem Büro ausprobiert. Besonders bequem ist das nicht, daran kann auch die original „Kuscheldecke“ von Helen Schneider nichts ändern. Foto: Kai A. Struthoff

Bad Hersfeld. Drei Wochen vor dem offiziellen Probenbeginn am 7. Mai könnte Intendant Holk Freytag eigentlich ganz entspannt sein. Gerade hat Festspiel-Star Volker Lechtenbrink bei einem Auftritt in der Fernsehshow von Markus Lanz noch einmal mächtig die Werbetrommel gerührt. Das Ensemble steht. Im Moment wird gerade „sehr friedlich“ über die Ausstattungsdetails für die einzelnen Stücke verhandelt. „Eigentlich läuft alles prima“, sagt Holk Freytag.

Konkurrenz von Amazon

Eigentlich. Denn ein großes Problem bereitet ihm und seiner Mitarbeiterin Birgit Wagester schlaflose Nächte. Immer noch fehlen Unterkünfte für Schauspieler und Ensemble. „Wir brauchen die Hilfe der Bevölkerung, die Festspiele funktionieren nur mit einem guten Netzwerk“, bittet Holk Freytag um Unterstützung.

Die Konkurrenz auf dem Wohnungs- und Zimmermarkt durch andere große Saison-Arbeitgeber wie Amazon ist hart. Erschwingliche Wohnungen in Bad Hersfeld und der nahen Umgebung sind daher rar.

Zudem hätten viele Vermieter doch leider falsche Vorstellungen von den finanziellen Möglichkeiten der Festspieler. „Die meisten Schauspieler, Musiker und Ensemblemitglieder verdienen keine üppigen Gagen“, macht Freytag klar. Luxuswohnungen mit hohen Mieten können sie sich deshalb nicht leisten.

Hinzu kommt, dass viele der Festspieler kein Auto haben und somit auf Quartiere in Bad Hersfeld, Ludwigsau oder Hauneck angewiesen sind, die auch mit dem Fahrrad erreichbar sind, erklärt Birgit Wagester.

Denn zu den unregelmäßigen Arbeitszeiten der Künstler, die oft bis tief in die Nacht dauern, fährt meist auch kein Bus mehr.

Insgesamt müssen in diesem Jahr rund 120 Menschen ab Mai für etwa drei Monate untergebracht werden. Die Ansprüche der Ensemblemitglieder seinen nicht sehr hoch. Manche lebten sogar in einer Art Wohngemeinschaft und teilten sich eine Wohnung.

Mieter werden Freunde

Ein eigenes Zimmer und eine Kochgelegenheit sollten allerdings wegen der unregelmäßigen Arbeitszeiten schon sein. Familienanschluss hingegen ist durchaus erwünscht. Aus manchen Mietern sind mit den Jahren gute Freunde geworden, weiß Birgit Wagester zu berichten.

Jetzt sind also die Menschen in der Festspielstadt und in den umliegenden Gemeinden gefordert, ihre Solidarität mit den Festspielen zu beweisen. Betten für die Festspiele lautet die Regieanweisung. Kontakt und Angebote an: Intendanz und künstlerisches Betriebsbüro, Im Stift 6a, 36251 Bad Hersfeld. Telefon: (0 66 21) 40 07 - 10, Telefax: (0 66 21) 40 07 - 15, E-Mail: intendanz@bad-hersfeld.de

Von Kai A. Struthoff

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