Sorge um den Arbeitsplatz: Gefälschte Schadensmeldungen sollten Umsatz erhöhen

Betrüger aus Verzweiflung

Bad Hersfeld. Gleich drei Motive hatte ein Versicherungsbetrüger für seine Taten, und eines davon war die nachvollziehbare Sorge um den Arbeitsplatz. Deswegen gab es für den 44 Jahre alten Hersfelder gestern vor dem Schöffengericht eine vergleichsweise milde Strafe.

Der Serviceberater gehörte mehr als 20 Jahre zur Belegschaft eines finanziell angeschlagenen Autohauses in Bad Hersfeld, das im Herbst 2009 von einem Insolvenzverwalter geführt wurde.

Der hatte nach einer Gläubigerversammlung und mit Blick aufs bevorstehende Jahresende festgestellt, dass die Zahlen nicht stimmten und dass kreative Ideen gefragt seien, um den Umsatz anzukurbeln.

Der Serviceberater hatte eine. Er machte sich den Krankenstand des Firmenbuchhalters zunutze, um langjährige Kunden und ehemalige Mitarbeiter für Versicherungsbetrügereien zu gewinnen, bei denen es drei Gewinner geben sollte: Den vermeintlich Geschädigten, die Firma und mit ein paar Extra-Scheinchen auch ihn selbst.

Immer dieselbe Masche

Die Masche war simpel: Den Versicherungen wurden Steinschlagschäden an der Windschutzscheibe gemeldet. Die gab es genauso wenig wie den angeblich erforderlichen Austausch der Scheiben. Die Regulierung lief über das Autohaus. Gezahlt wurden Beträge zwischen 500 und 900 Euro. Der Löwenanteil kam der Insolvenzmasse zugute, ein paar Hunderter kassierten die jeweiligen Komplizen, und Beträge zwischen 20 und 100 Euro ließ sich der Angeklagte für seine Dienste aushändigen – insgesamt etwa 1200 Euro.

All das lief per Barauszahlungen, die nach der Rückkehr des wieder gesunden Buchhalters auch prompt auffielen. Das Ende vom Lied: Fristlose Kündigung für den Servicemitarbeiter und in der Folgezeit komplette Rückzahlungen durch alle Beteiligten an die Versicherungen.

Auch die Insolvenzmasse musste um die entsprechenden Beträge reduziert werden. Daran lag es jedoch nicht alleine, dass das Autohaus Mitte vergangenen Jahres endgültig seine Pforten schloss.

Der bislang unbescholtene Serviceberater wurde wegen gemeinschaftlichen Betrugs zu einem Jahre Freiheitsstrafe verurteilt. Diese wird für zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Zusätzlich verhängte das Gericht unter Vorsitz von Richter Michael Krusche eine Buße in Höhe von 1600 Euro.

In seinem Schlusswort versicherte der Hersfelder zum wiederholten Male, dass er seine Taten bereut.

Sämtliche 13 Mittäter müssen Geldstrafen von 20 Tagessätzen bezahlen, wobei die Höhe des Tagessatzes von den jeweiligen Einkommensverhältnissen abhängt.

Das Urteil ist bereits rechtskräftig.

Von Karl Schönholtz

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