58-jähriger Hersfelder hatte zu Unrecht mehr als 45 000 Euro Sozialhilfe bezogen

Betrüger mit edlem Motiv

Bad Hersfeld. Das Motiv kam erst im Plädoyer von Rechtsanwältin Daniela Morbach zur Sprache: Ihr Mandant, so trug die Verteidigerin vor dem Schöffengericht des Amtsgerichts Bad Hersfeld vor, habe nämlich die zu Unrecht bezogene Sozialhilfe nicht etwa verprasst, sondern sich mit diesem Geld in seiner ukrainischen Heimat für Kriegsopfer in Massengräbern engagiert.

Die gute Tat, für die der in Bad Hersfeld lebende Ingenieur sogar ausgezeichnet wurde, rechtfertigte allerdings nicht den gewerbsmäßigen Betrug, den ihm Staatsanwältin Lambiel vorwarf: Insgesamt zehnmal hatte der Angeklagte seit Oktober 2007 beim Landkreis Hersfeld-Rotenburg Hilfe zum Lebensunterhalt beantragt und bis zum April 2012 auch in verschiedener Höhe erhalten. Dabei hatte der Hersfelder jedoch verschwiegen, dass er aus seinem selbst aufgezogenen Internet-Handel mit Antiquitäten und Militaria ein nicht unerhebliches Einkommen bezog.

Im Grunde geregelt

Im fraglichen Zeitraum waren das mehr als 60 000 Euro. Demgegenüber standen die Leistungen der öffentlichen Hand, die zusammengerechnet 45 947 Euro betrugen. Diese Zahl wurde dem Angeklagten als Schadenssumme zur Last gelegt. Tatsächlich ist die Angelegenheit jedoch im Grunde geregelt: Weil vom Vermögen des Ukrainers exakt dieser Betrag gepfändet wurde, kann der Kreis alsbald mit einer entsprechenden Überweisung rechnen.

„Ich habe einen Fehler gemacht“, räumte der geständige und bisher nicht vorbelastete Angeklagte in seinem Schlusswort ein.

Verurteilt wurde er zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten, die für zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wird. Richter Michael Krusche und seine beiden Schöffen blieben damit drei Monate unter dem Strafantrag der Staatsanwältin. Weitere Auflagen wurden nicht verhängt

Weil alle Beteiligten im Anschluss an die Urteilsverkündung auf Rechtsmittel wie Berufung oder Revision verzichteten, wurde die Entscheidung sogleich rechtskräftig.

Der Sohn kam nicht

Der mitangeklagte Sohn, bei dem es lediglich um etwas mehr als 1000 Euro ging, war gestern nicht vor Gericht erschienen – angeblich weil er seiner Einberufung zur ukrainischen Armee gefolgt war. Sein Verfahren soll nun per Strafbefehl ohne öffentliche Verhandlung abgeschlossen werden.

Von Karl Schönholtz

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