Jugendarbeiter im Landkreis Hersfeld-Rotenburg zum Massaker von Norwegen

Betroffen und hilflos

Hersfeld-Rotenburg. Sehr betroffen reagierten die Anbieter von Jugendarbeit im Kreis auf das Massaker in Norwegen, bei dem ein Mann am Freitag mindestens 68 Kinder und Jugendliche in einem Ferienlager erschoss oder in den Tod trieb.

Sehr erschrocken

„Die Jugendfeuerwehren sind sehr erschrocken. Die Opfer stammen genau aus der Altersgruppe, mit der wir arbeiten“, sagt Bernd Spoelstra, der Kreisjugendfeuerwehrwart aus Rotenburg. Neben dem Gefühl der Betroffenheit steht auch Hilflosigkeit. „Wir könnten gar nichts tun. Wenn einer das möchte, dann tut er das. Da hätten wir keine Chance“, stellt Spoelstra fest. Die Jugendfeuerwehren veranstalten regelmäßig große Zeltlager für ihre Mitglieder. Dort sollen sie unbeschwerte Gemeinschaft erleben. Polizeischutz für Zeltlager hält Bernd Spoelstra nicht nur deshalb für nicht praktikabel.

„Es zeigt sich wieder einmal, dass Kinder und Jugendliche die verletzlichste Gruppe sind“, stellt Sabine Kampmann von der evangelischen Jugend im Kirchenkreis Hersfeld fest. Auch wenn hier die Tat von einem Außenstehenden verübt wurde, stellt sich für Sabine Kampmann die Sicherheitsfrage in der Jugendarbeit völlig neu. „Man muss genau hinschauen, mit wem man zusammenarbeitet.“ Die Verpflichtung, ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis vorzulegen, hält sie deshalb für sinnvoll, auch wenn sie sich bewusst ist, dass das in diesem Fall nicht geholfen hätte.

„So ein aggressiver Ausbruch war bei diesem hervorragend angepassten, unauffälligen Täter wohl überhaupt nicht vorher abzusehen.“ Bei Übergriffen von außen können wir gar nichts machen“, weiß Sabine Kampmann. „Ansonsten müssen wir uns wirklich bemühen, die Ehrenamtlichen, mit denen wir zusammenarbeiten, und ihre Motivation kennenzulernen.“

Jugendliche wütend

Sehr bestürzt seihen die Jugendlichen, die ins Jugendzentrum der Stadt Bebra kämen, berichtet dessen Leiter Johannes Barman. Sie seien aber auch wütend über das, was der Täter jungen Menschen in Norwegen angetan hat. Barman selbst muss förmlich nach Luft ringen, wenn er an das Verbrechen denkt. Er habe es gar nicht glauben können, berichtet er.

Seine Aufgabe sieht er nun darin, die Fassungslosigkeit und Angst der Jugendlichen aufzufangen und mit ihnen über die Ereignisse in Norwegen zu sprechen.

Aber auch den jungen Leuten in Bebra ist klar, dass so etwas jederzeit und überall passieren kann, dass es vor dieser Art von Anschlag keinen Schutz gibt. Von Besuchen im Jugendzentrum oder der Teilnahme an Freizeiten wollen sich die Jugendlichen aber dennoch nicht abhalten lassen.

Von Christine Zacharias

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