hr-Bigband mit John Scofield im Rahmenprogramm der Bad Hersfelder Festspiele

Die Besten in der Ruine

John Scofield. Foto: nh

Bad Hersfeld. Es wird ein besonderes Zusammentreffen und nicht nur für Jazzfans ein Höhepunkt, wenn die hr-Bigband unter Leitung von Jim McNeely mit dem besten Jazzgitarristen der Welt, John Scofield, am Samstag, 19. Mai, ab 20 Uhr auf der Bühne der Stiftsruine auftreten wird. Wir haben mit Chefdirigent Jim McNeely über diesen Auftritt gesprochen.

Hauptsolist des Abends wird der Gitarrist John Scofield sein. Was zeichnet ihn aus?

Jim McNeely: Er ist musikalisch sehr breit aufgestellt. Als ich ihm 1976 zuerst begegnete, spielte er in der Band des Schlagzeugers Billy Cobham, zu der Zeit, eine der angesagtesten Fusionbands. Außerdem hatte er gerade eine Platte mit Chet Baker aufgenommen und wenn ich mit ihm zusammen spielte, war das auch eher straight-ahead-Jazz. Neben diesem breiten musikalischen Horizont bewundere ich an John Scofield, wie er es schafft, seine Karriere auch in seinen schwierigen „mittleren Jahren“ immer am Laufen zu halten.

Wie würden Sie John Scofields Art beschreiben, die Gitarre zu spielen?

Jim McNeely: Er wuchs in den späten 50ern und frühen 60er Jahren auf, als Rhythm and Blues und die Beatles die Popmusik bestimmten. Dann erschienen diese ganzen Rockgitarristen wie Jimmy Page oder Jimi Hendrix, die wirklich spielen konnten und die Klangpalette der elektrischen Gitarre enorm erweiterten. John Scofield nahm diese Seite des Gitarrenspiels ebenso in seinen Stil auf wie die Errungenschaften der großen Jazzgitarristen und das, obwohl man damals für diese Vielseitigkeit von beiden Lagern heftig kritisiert werden konnte. Hört man ihn heute, erscheinen reine Jazzgitarristen oder auch die großen Stars der Rockgitarre im Vergleich mit ihm doch erstaunlich limitiert. Er kann eine einfache Melodie so spielen, dass sie nach so viel mehr klingt, indem er jeden Ton mit einer anderen Bedeutung auflädt. Mit ganz wenigen Noten kann er eine spannende Geschichte erzählen.

Sie werden mit John Scofield und der hr-Bigband das Projekt East Coast Blow Out, das sie 1989 für WDR-Bigband und das Scofield-Quartett komponiert haben, erneut aufführen. Ist das etwas für Jazznostalgiker?

Jim McNeely: Ich hoffe nicht. Wir haben das Projekt seit den beiden Konzerten, die wir damals im Kölner Stadtgarten gaben, nie mehr aufgeführt, obwohl ich mir das immer gewünscht habe. Die Idee damals war, dass nicht John allein als Solist fungiert, sondern das ganze John-Scofield-Quartett, so ähnlich wie bei einem Concerto grosso. Für mich war es damals eine großartige Erfahrung, dieses Projekt einzustudieren und aufzunehmen und es war schon ein wenig frustrierend, das seitdem nie mehr live aufführen zu können. Olaf Stötzler, der Manager der hr-Bigband, war schließlich von der Idee gleich angetan, nicht zuletzt, weil er selbst auch Gitarrist ist. Aber ich glaube an dieses Projekt nicht nur aus nostalgischen Gründen, sondern einfach weil es gute Musik ist, wenn ich das mal so unbescheiden sagen darf.

Werden Sie auch einige neue Arrangements für das Konzert schreiben?

Jim McNeely: Eine Hälfte des Konzerts wird aus Kompositionen von John Scofield bestehen, die ich eigens dafür arrangieren werde. John und ich arbeiten das Programm gerade aus.

Lohnt sich der Besuch dieses Konzerts in der Bad Hersfelder Stiftsruine eigentlich auch für Menschen, die kulturinteressiert sind ohne spezifische Jazzfans zu sein?

Jim McNeely: Aber natürlich. Vergessen Sie das Wort Jazz und nennen Sie es einfach Musik. Das sind die Fakten: Einer der weltbesten Gitarristen spielt Musik, die speziell für ihn geschrieben wurde, begleitet von Weltklassemusikern und einer der besten Bigbands Europas. Es funktioniert einfach als Musik. Abgesehen davon bietet dieses Konzert allen Menschen, die nicht viel über Jazz wissen, eine einmalige Gelegenheit, ihn auf höchstem Niveau zu erleben und auszuprobieren, ob er etwas in ihnen zum Schwingen bringt. Ich freue mich sehr auf dieses Konzert, und ich weiß, dass John Scofield, Adam Nussbaum und Jay Anderson sich genauso darauf freuen. (red)

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