Kreissynode beschließt Bedarfsplanung für die kirchlichen Gemeindehäuser und Gemeinderäume

Bestandssicherung oder Rückzug?

Nach ausführlicher Diskussion verabschiedete die Kreissynode mit deutlicher Mehrheit die von der EKKW geforderte Bedarfsplanung für die kirchlichen Gemeindehäuser und Gemeinderäume. Foto: Apel

BAD HERSFELD. Was tun, wenn das Geld für die Unterhaltung und Bewirtschaftung der von den Kirchengemeinden vorgehaltenen Räumlichkeiten immer knapper wird und wenn die Evangelische Landeskirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) Prioritätensetzung verlangt?

Die Synodalen des Kirchenkreises Hersfeld zogen mit und entschieden sich am Samstag im Bad Hersfelder Martin-Luther-Haus mit großer Mehrheit (43 Ja-, 10 Nein-Stimmen und 14 Enthaltungen) für die Verabschiedung eines vom Landeskirchenamt geforderten Gebäudebedarfsplans.

Nur noch eins

In diesem nach intensiver Vorbereitung erarbeiteten Plan ist festgelegt, dass unabhängig von der Zahl der Kirchen „je Pfarrstelle mit Residenzpflicht“ nur noch ein Gemeindehaus „zuweisungsberechtigt“ ist und dass sich die Höhe der zuzuweisenden Geldmittel nach der „Gesamtgemeindegliederzahl“ des jeweiligen kirchlichen Verbandes richtet.

Das bedeutet, dass ein aus mehreren Ortsgemeinden bestehendes Kirchspiel ein Gemeindehaus haben darf und für dessen Unterhaltung und Bewirtschaftung auch einen gesicherten Anspruch auf landeskirchliche Zuweisungen hat. Darüber hinaus kann es sich Räumlichkeiten an einem weiteren Ort ab 1. März nur noch dann leisten, wenn es diese aus eigener Kraft finanzieren kann.

„Nicht vermittelbar“

Das ist, sofern nicht neue Geldquellen erschlossen werden, eher unwahrscheinlich. Deshalb werden sich in bis zu neun Ortsgemeinden des Kirchenkreises Hersfeld evangelische Christen mit dem Gedanken anfreunden müssen, in naher Zukunft von ihren Gemeinderäumlichkeiten Abschied zu nehmen.

Das stieß bei zahlreichen Synodalen trotz ausführlicher Erläuterungen auf Widerspruch. So beklagte Ulrike Tokarz aus Wölfershausen: „Es ist den Menschen nicht vermittelbar, dass wir fusioniert haben, um finanziell besser über die Runden zu kommen, und dass jetzt unser Gemeindehaus geschlossen werden soll! Wir fühlen uns allein gelassen!“

Auch Bianca Mendera aus Kerspenhausen verwies auf Schwierigkeiten vor Ort. Sie rief den Delegierten zu: „Den kleinen Gemeinden wird immer mehr genommen, und die, die haben, bekommen immer mehr dazu!“

Jürgen Wetzel aus Meckbach bemängelte, dass sich das Zuweisungssystem an der Gemeindegliederzahl und nicht an der tatsächlich vorhandenen Gemeindehausfläche orientiere.

Nicht unabänderlich

Pfarrer Bernd Seifert, der Vorsitzende des Bau- und Finanzausschusses, und Alexander Reitz, der Leiter des Kirchenkreisamts, versuchten die Wogen zu glätten. Sie betonten die Notwendigkeit der Planung: „Sonst gibt es von der Landeskirche keine Beihilfen!“ Sie wiesen aber auch darauf hin, dass sie nicht unabänderlich sei, sondern fortgeschrieben werden könne.

Außerdem eröffne der Innovationsfonds des Kirchenkreises die Möglichkeit, neue Konzepte zu entwickeln und Härten zu umschiffen.

Eingedenk dessen beauftragte die Kreissynode den Kirchenkreisvorstand mit überwältigender Mehrheit, eine Projektgruppe einzusetzen, die sich mit der weiteren Entwicklung der Gemeinden und ihrer Räumlichkeiten beschäftigen soll.

Von Wilfried Apel

Kommentare