Bad Hersfelder Festspiele 2011: Parbet Chugh spielt den Kriegsheimkehrer Beckmann

Ein besonderer Deutscher

Noch studiert er in Hannover, doch ab Mai wird Parbet Chugh ein Hersfelder auf Zeit. Er spielt bei den Festspielen in „Draußen vor der Tür“ die Hauptrolle. Die HZ-Ausgabe mit dem Intendanten auf dem Titelfoto diente ihm schon mal als Einstimmung. Foto: Schönholtz

Hannover/Bad Hersfeld. Er ist gebürtiger Hamburger. Dort aufgewachsen in einem bunt gemischten Viertel. Er ist HSV-Fan. Er ist Deutscher. Dass er ein ungewöhnlicher Deutscher ist, hat Parbet Chugh viele Jahre nicht wahrgenommen. „Ich finde es verblüffend, dass mein Hintergrund so interessant sein soll,“ sagt der junge Schauspieler, der in diesem Sommer bei den Bad Hersfelder Festspielen als Beckmann in „Draußen vor der Tür“ zu sehen sein wird. Doch dass ihn Intendant Holk Freytag gerade wegen seiner Wurzeln mit dieser Rolle betraut hat, das ist Chugh bewusst. Seine Eltern sind Hindus aus Afghanistan, sie haben ihrem Sohn die dunklen Augen und die schwarzen Haare mitgegeben.

Die Zeit verpennt

Der Hersfelder Beckmann muss folglich nicht unbedingt als heimkehrender Wehrmachtssoldat gesehen werden, sondern transferiert die Thematik der fremd gewordenen Heimat in die Gegenwart.

So haben Holk Freytag und Regisseurin Andrea Thiesen ihrem Hauptdarsteller ihre Sicht auf die Rolle schon kurz erklärt. Chugh akzeptiert, dass er hier „nach Typ“ besetzt wurde. Privat reagiert er da empfindlicher. „Manche Leute haben die Zeit verpennt“, sagt er, wenn im Deutschland von heute der Herkunft eines Menschen seiner Ansicht nach zu viel Bedeutung beigemessen wird. Bei der Aufstellung der Fußball-Nationalmannschaft spiele dieses Thema doch auch keine große Rolle mehr.

Eines Tages, so Parbet Chugh, „würde ich mich freuen, wenn ich spielen darf, weil die Leute sagen, der hat die Qualität dazu und nicht mehr, weil ich so aussehe.“

Den Weg dorthin hat der Hamburger schon als Schüler eingeschlagen. Über die Theater AG lernte er einen Regisseur vom örtlichen Schauspielhaus kennen, der ihm erste kleine Rollen vermittelte.

Derzeit studiert Parbet Chugh Schauspiel an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover. In diesem Sommer wird er seinen Abschluss machen. Zwischendurch spielt er im Theater Bremen.

Ein anderer Beruf stand für ihn nie zur Debatte. „Man macht etwas, weil man überzeugt ist, es machen zu wollen,“ sagt Chugh und sieht in der Schauspielerei eine Möglichkeit, „sich in viele Richtungen auszuprobieren.“

Die Gelegenheit dazu erhält er auch bei den Festspielen. Denn neben der Beckmann-Rolle, die ihm alleine wegen des umfänglichen Textes allerhand abverlangen wird, spielt er im Kloster-Krimi „Der Name der Rose“ auch den Aymarus von Allessandria. Der sei ein Intrigant und damit ein guter Gegensatz zum ehrlich-puren Beckmann, schmunzelt Chugh.

Info: „Draußen vor der Tür“, Schilde-Halle, ab 21. Juli. „Der Name der Rose“, Stiftsruine, ab 25. Juni. Ticket-Service, Am Markt 1, 36251 Bad Hersfeld, Telefon 06621/201360, www.bad-hersfelder-festspiele.de

Von Karl Schönholtz

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