Lustige Lesung mit Kinderbuchautor Jochen Till in der Hoehlschen Buchhandlung

Besondere Deutschstunde

Die Fünft- bis Achtklässler lauschen den Erzählungen von Jugendbuchautor Jochen Till in der Hoehlschen Buchhandlung. Foto: Paula Beck

BAD HERSFELD. Aufgeregt flüstern sich zwei Mädchen zu, und ein Junge wippt nervös mit seinem Fuß. 180 Schüler haben sich in der Hoehlschen Buchhandlung versammelt um aus Werken des Kinder- und Jugendbuchautoren Jochen Till vorgelesen zu bekommen.

Dann tritt ein Mann vor die Masse der Schüler. Er ist dunkel gekleidet, trägt lässig Chucks und eine schwarze Hornbrille und seine Frisur erinnert stark an die einer Comicfigur. Schon zu Beginn wird den Schülern klar: Geschlafen oder geschwatzt wird hier nicht. Jochen Till und sein Freund, der Schauspieler Linus König, bauen auf das Interesse und die Mitarbeit der Kinder. „Wenn ihr keine Fragen stellt, werden traurige, depressive Weihnachtsgeschichten vorgelesen“, drohen sie den Schülern.

Dreimal sitzengeblieben

Jochen Till stellt bei seiner Lesung, zu der fünf Schulklassen von den Gesamtschulen Niederaula, Obersberg und Geistal sowie der Konrad-Duden-Schule erschienen sind, nicht nur seine Werke vor, sondern berichtet zudem von seiner Schulzeit und dem Weg zum Schriftsteller. Till selbst war keinesfalls ein Musterschüler. Statt der üblichen 13 Jahre, drückte er ganze 16 Jahre die Schulbank. Zweimal wiederholte er die achte Klasse. Ein Jahr zierten über 100 Fehltage und die Bestnote 4 sein Zeugnis. Die elfte Klasse wiederholte er ebenfalls und schloss dann, mit 22 Jahren, sein Abitur ab.

Autor der Liebe wegen

Sein Weg zum Schriftsteller war ebenfalls eher unüblich. „Eigentlich wollte ich Rockstar werden“, sagt er, „doch das hat nicht geklappt“. Im Jahre 1995 hatte er eine Beziehung mit einer Frau, die eine Schwäche für Autoren hegte. Um ihr einen Wunsch zu erfüllen, schrieb Till seinen ersten Roman „Der junge Sonnenschein“ und wollte so das Herz der Frau erobern – der Plan scheiterte und die Beziehung zerbrach. Weitere Tiefschläge folgten und rund 30 Absagen von Verlagen flatterten in Tills Haus, bis sein Buch veröffentlicht wurde.

Bei der Lesung wird Till von Linus König begleitet. „Ich kann nicht lesen, zumindestens nicht gut und vor so vielen Menschen“, erklärt Till, „deshalb übernimmt das Linus“.

Für lesefaule Jungs

Königs Lesestil begeisterte die Kinder. Er rezitiert Stellen aus den Werken „Fette Ferien“, „Der große Nick - Überall Mädchen“ und „Auf die Ohren“. All diese Bücher drehen sich um das aufregende Leben von jungen Erwachsenen, humorvoll und spannend beschrieben. Sein meistverkauftes Buch „Fette Ferien“ schrieb er für die Zielgruppe der „lesefaulen Jungs“. Es handelt von Tobias, der von seinen Eltern in ein langweiliges Ferienlager verbannt wurde.

Jochen Till punktet jedoch vor allem mit seiner Ehrlichkeit. Er kritisiert offen einige Cover sowie die Titel seiner Bücher, die vom Verlag gewählt wurden. „Also ich würde es so nicht kaufen“, sagte er schmunzelnd über eines seiner Bücher. Die 180 Fünft- bis Achtklässler sind von König, Till und dessen Büchern hellauf begeistert. Nach der Lesung verschwinden sie augenblicklich in den Tiefen der Buchhandlung und versuchen, ein Exemplar von Jochen Till zu ergattern. Er signiert die Bücher und beantwortete weitere Fragen.

Von Paula Beck

Kommentare