Die Hersfelderin Gabi Sommer ging aus Liebe nach Texas und lebt seit 33 Jahren dort

Beruf, los wechsle dich

Ausgeschildert: Gabi Sommer aus Bad Hersfeld sitzt vor dem Schild ihres Unternehmens in Wimberley, Texas. Foto: privat

Bad Hersfeld/Texas. „Ich würde die gleiche Entscheidung wieder treffen und den selben Weg noch einmal gehen“, antwortet Gabi Sommer, ohne lange zu überlegen, auf die Frage, ob sie ein zweites Mal aus Deutschland auswandern würde. Als sich die gebürtige Hersfelderin am Telefon meldet, mit offenherziger Stimme und in einem immer noch bemerkenswertem Deutsch, spricht man mit einer Person, die mittlerweile knapp 9000 Kilometer von Hersfeld entfernt im US-Bundesstaat Texas lebt.

Der 4. Dezember 1976 –- also vor mehr als 30 Jah- ren – war der Tag, an dem Gabi Sommer im Alter von 20 Jahren einen grundlegenden Schritt machte. Sie verlegte, der Liebe zu einem amerikanischen Soldaten wegen, ihren Lebensmittelpunkt über den Atlantischen Ozean in die USA. Besonders in der Anfangszeit auf dem neuen Kontinent erlebte Gabi Sommer 1977 Abenteuer, von denen viele Jugendliche träumen und die nur wenige von ihnen tatsächliche erfahren.

Trip mit dem Wohnwagen

Mit einem Wohnwagen erkundete sie ein halbes Jahr lang die westlichen Gebiete der Vereinigten Staaten. „In Colorado war plötzlich das Geld alle. Also musste ich arbeiten und konnte erst einen Monat später weiter“, erinnert sich die Auswanderin an die damalige Zeit, in der sie auch Kansas und Kalifornien besuchte. Mittlerweile besitzt die gebürtige Hersfelderin ein Haus in Wimberley, das im zentralen Teil des Staates Texas liegt und dessen malerische Landschaft von vielen Flüssen durchzogen wird. Doch auch die weitere Umgebung von Gabi Sommers neuer Heimat bietet viele Möglichkeiten zu unvergesslichen Erlebnissen.

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,,Von mir ist es nicht so weit bis zum Golf von Mexiko, sodass ich viel Zeit am Strand verbringe. Noch näher sind Austin, die Hauptstadt von Texas, und San Antonio“, sagt die 53-Jährige.

Für Gabi Sommer hat sich das viel zitierte Phänomen des amerikanischen Traums zu ihrer persönlichen Zufriedenheit erfüllt: „Der große Vorteil im Vergleich zu Deutschland ist, dass es in den Staaten viel leichter ist, den Beruf ohne lange Ausbildung zu ändern und Karriere zu machen.“

Ohne Realschulabschluss nach Amerika gegangen, begann sie 1979 – in Deutschland unvorstellbar – mit einem Psychologiestudium an University of Texas in Austin.

Berufsleben: wechselhaft

„Den Menschen in den USA geht es sehr gut, und trotzdem sind sie nicht glücklich und liegen später Tag für Tag auf meiner Couch“, dachte sich die damalige Studentin eines Tages und beschloss, von da an keine Arbeit mehr als Psychologin anzustreben. Nach einer dreijährigen Zeit als Zahnarzthelferin wurde die gebürtige Hersfelderin schließlich Escrow Officer, eine Art amtlicher Schriftführer für Immobilienverkäufe, und übte diesen Beruf 20 Jahre lang aus.

Vor einem Jahr verdankte es die Texanerin wiederum den unkomplizierten Möglichkeiten des Jobwechsels, dass sie nach lediglich drei Monaten Studium als Immobilienmaklerin tätig sein durfte „Ich wollte mit über 50 Jahren nicht mehr elf Stunden täglich arbeiten. Nun bin ich mein eigener Chef“, sagt Gabi Sommer. Für sie sei die Entscheidung zum Berufswechsel und zum Auswandern hundertprozentig richtig gewesen.

Von Philipp Breitbart

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