Die ganze Ruine mit Klang erfüllt

Berührendes und mitreißendes Konzert der Obersberg-Chöre

Geheimnisvoller Klangkörper: Zunächst verborgen hinter einem schwarzen Vorhang, dann offen sichtbar: In dem gelben Gummianzu steckt der Trompeter Björn Diehl dem die Percussion-Gruppe des Blechbläser-Ensembles mit Klopfen auf den Bauch und Schlägen auf die Schuhe allerlei interessante Töne entlockte. Fotos: Landsiedel

Bad Hersfeld. Wenn dem Publikum schon beim ersten Lied ein Schauer der Ergriffenheit über den Rücken läuft, dann lässt das Großes für den Rest des Konzertes erwarten. Ulli Meiß und der Chor der Modell- und Gesamtschule Obersberg sowie das Blechbläser-Ensemble der Obersbergschulen und der Konrad-Duden-Schule lösten dieses Versprechen des ersten Liedes in einem gut zweieinhalbstündigen Programm ein - und die Gänsehaut kam nicht von der feuchtkühlen Abendluft.

Sänger und Musiker verstanden es, den gesamten Raum der Stiftsruine mit Klang zu erfüllen. Diesmal standen die Jugendlichen nicht nur rechts und links an den Seiten des Kirchenschiffs, sondern in kleinen Gruppen auch mitten im Publikum und ließen ein „Halleluja“ ertönen, das in seiner Klangfülle und Innigkeit unter die Haut ging.

Es schien fast, als habe der Himmel ein Einsehen, denn der Regen ebbte nach den ersten Liedern beim Auftaktkonzert am Samstag ab, sodass nicht nur das Publikum, sondern auch Sänger und Musiker den Abend weitgehend trocken überstanden.

150 Mitwirkende 

Zu den besonderen Reizen dieser Abschlusskonzerte der Festspielsaison, für die die insgesamt 150 Jugendlichen und mitwirkenden Lehrer drei Wochen ihrer Ferien opfern, gehört der bute Programm-Mix. Klassik, Volkslieder, auch mal ein Marsch, Musical-Melodien, Nostalgisches und Aktuelles standen auf dem Programm und luden zur Neu- und Wiederentdeckung ein. In diesem Jahr feiern die Obersberg-Ensembles ihr zwanzigjähriges Bestehen und so gab es Vieles zu hören, was die Mitwirkenden besonders gerne nögen. Die Vogelhochzeit, zum Beispiel, ein berührendes Ave Maria, die Bar zum Krokodil oder It's my Life.

Alles natürlich verändert, verbessert, neu arrangiert. Das gilt auch für den Ausschnitt aus Vivaldis „Vier Jahreszeiten“, der das Herannahen eines Sommergewitters musikalisch beschreibt und den Anastasia Boksgorn auf der Geige gleich zweimal virtuos darbot. Begleitet wurde sie von einem Teil des Blechbläser-Ensembles.

Umjubeltes Konzert der Obersbergchöre

Auf keinen Fall fehlen durfte natürlich das Männerquartett des Chores, das den Frauen zunächst einmal den Spiegel vorhielt, indem es um eine Pause im nicht enden wollenden Redefluss flehte, um anschließend die Damenwelt mit der Bitte „Lass mich Dein Badewasser schlürfen“ umschmeichelte. Dass vermeintlich große Gefühle auch schlicht einer Pollenallergie geschuldet sein können, zeigte das Duett von Tatjana Beyer und Matheus Drzewiecki.

Überhaupt die Solisten: In dem großen Chor finden sich immer wieder große Talente, die dann bei den Konzerten die Chance erhalten, ihr Können zu zeigen. Gänsehaut, eben.

Neongelber Gummianzug

Für staunendes Vergnügen sorgte zum Abschluss die Percussion-Gruppe, die den in einem neongelben Gummianzug steckenden Trompeter Brörn Diehl als Klangkörper nutzten und kräftig auf ihm herumtrommelten.

Ganz zum Schluss gab's noch mal Rückenkribbeln fürs Publikum bei der Zugabe „Music was my first love“. Begeisterter Beifall, Jubeln und Trampeln belohnte Ulli Meiß und seine Sänger und Musiker, die am Wochenende gut 4000 Menschen mit ihrer Musik glücklich machten.

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