Festspiele anderswo: Brillante Wiederaufnahme in Bad Gandersheim

Berührend: Wie im Himmel

Festspielreise in Bad Gandersheim: Der schwedische Laienchor macht sich in „Wie im Himmel“ auf den Weg nach Wien. Der Weg ist das Ziel, nicht der Gewinn eines Wettbewerbs. Fotos: nh

Bad Gandersheim. „Wie im Himmel“ wurde bei den Bad Gandersheimer Domfestspielen im Vorjahr so begeistert aufgenommen, dass eine Wiederaufnahme des Schauspiels nach Kay Pollacks Kinoerfolg geradezu zwingend erschien.

Das Freiluftfestival in dem Kleinod am Rande des Harz zwischen Göttingen und Hannover hat nicht die Dimension der Bad Hersfelder Festspiele. Weder die Technik, noch die Ausstattung, die Bühnengröße oder das Fassungsvermögen der Publikumsränge betreffend ist ein direkter Vergleich statthaft und sinnvoll.

Mit der Inszenierung und Bearbeitung des scheidenden Intendanten Prof. Johannes Klaus setzt Bad Gandersheim jedenfalls ein beeindruckendes Zeichen in der Theaterlandschaft.

Berührt das Publikum

Die Geschichte um den Stardirigenten Daniel Daréus und die Mitglieder eines Kirchenchores berührt das Publikum tief. Der wunderbare Stoff mit klugen Dialogen trifft ins Herz. Mit Hingabe und Poesie erzählt „Wie im Himmel“ von verdrängten Wahrheiten, Ängsten und Nöten, aber auch von Hoffnungen und ungewissen Aufbrüchen. Ein Vergleich ist für den nur gelegentlich anreisenden Gast schwierig, das Gandersheimer Kreisblatt schrieb nachvollziehbar: „Die Inszenierung markiert einen der besten Theaterabende in der Geschichte der Bad Gandersheimer Domfestspiele“. Gerne mag das der beeindruckte Besucher nachvollziehen. Zeitgemäß, aber nicht dem Zeitgeist untergeordnet; modern, aber eben nicht auf modernistische Effekte zielend, wird das Publikum in die Geschichte verwickelt.

Ja, am Ende sind die Besucher sogar ein Teil der Inszenierung. In der emotional aufwühlenden Schlussszene kann jeder Chormitglied werden, gemäß der wiederkehrenden Weisheit des Stückes: „Die Musik ist schon da, wir müssen sie nur auf Erden holen“.

Der das sagt, ist der in der Rolle des Stardirigenten glänzend besetzte Daniel Friedrich. Er spielt den nach einem Zusammenbruch und einem Herzinfarkt Erschöpften, der seinen schwedischen Heimatort, in dem er doch eigentlich nur Ruhe suchte, ungewollt aufwühlt. Der große Dirigent kommt an diesem Ort endlich bei sich selbst an und findet tatsächlich, von ihm eigentlich nicht mehr erwartet, seine Erfüllung und seinen Frieden.

Die fünf Abende der Wiederaufnahme in Bad Gandersheim sind restlos ausverkauft. Auf dem Spielplan bis zum 7. August stehen und standen zudem das Musical „Aida“, Shakespeares „Was ihr wollt“, Die revueartige Schlagerette „Sprüh’s auf jede Wand“ und „Pinocchio“ als Kinderstück.

Internet: www.gandersheimer-domfestspiele.de

Telefon der Kartenzentrale: 05382/73310.

Von Markus Pfromm

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