Helmut Heiderich ist seit März wieder CDU-Bundestagsabgeordneter in der Hauptstadt

Berlin verlernt man nicht

Jetzt wieder in echt: In Lautenhausen hat der CDU-Bundestagsabgeordnete Helmut Heiderich ein Gemälde vom Brandenburger Tor aufgehängt. Nun kann er es wieder vor Ort in Berlin bestaunen. Fotos: Trebing

Berlin. In Berlin steht an diesem Morgen eine Mauer aus Misstrauen. Schon wer aus dem U-Bahnschacht am Pariser Platz emporsteigt, sieht sich einer beeindruckenden Zahl grimmiger Polizisten gegenüber. Weil hier später die Nato-Außenminister für die Fotografen posieren werden, wird jeder Schritt jedes menschlichen Wesens mit Argusaugen verfolgt.

Nur einen Steinwurf von den Barrieren entfernt sitzt Helmut Heiderich und frühstückt Baguette. Sein Büro Unter den Linden 71 liegt an einem der prestigeträchtigsten Orte Berlins. Beinahe Wand an Wand mit dem Hotel Adlon, in bedeutungsvoller Nachbarschaft mit dem Brandenburger Tor und dem Reichstag.

„Mit den Räumen haben wir Glück gehabt“, sagt Heiderich. Erst seit gut einem Monat darf der CDU-Abgeordnete wieder ein Bundestags-Büro sein Eigen nennen. „Eigentlich hatte ich damit inzwischen abgeschlossen“, sagt der 62-Jährige. Mit „damit“ meint er einen Berliner Schreibtisch, den Reichstag gleich nebenan und die Bundespolitik im Allgemeinen.

Die Familie zieht mit

Doch dann rückte Heiderich in diesem Frühjahr wieder ins Parlament nach und erhörte den Ruf aus der Hauptstadt nach einigen Stunden Familiendiskussion. „Ich würde nicht sagen, dass Politik Sucht ist“, sagt er nach einem Augenblick Nachdenken. „Aber jetzt freue ich mich, wieder hier zu sein.“ In seiner vierten Sitzungswoche ist Heiderichs Büro noch nüchterne Zweckmäßigkeit.

Nur eine Urkunde aus Barcelona verrät, dass der sportliche Politiker den Marathon dort in 3 Stunden und 51 Minuten gelaufen ist. Doch der Lautenhäuser selbst wirkt auch nach sechs Jahren Berlinpause bereits wieder angekommen. „Man verlernt es nicht“, sagt er. In dieser Hinsicht ist Politik wohl ein wenig wie Fahrradfahren.

Tür an Tür mit Helmut Kohl

Nach dem bereits etablierten Frühstücksritual mit seinen Mitarbeitern macht sich Heiderich auf den Weg in den Reichstag. Vorbei an den Büroräumen von Helmut Kohl, die direkt neben seinen liegen. Gesundheitsbedingt war der Altkanzler schon lange nicht mehr da.

Vor dem Eingang zum Regierungsgebäude will der CDU-Abgeordnete seinen Ausweis zücken, doch der Wachmann winkt ihn lächelnd vorbei. Helmut Heiderich lächelt zurück und scheint sich ehrlich zu freuen. „So schnell wird man doch nicht vergessen“, sagt er. „Es hat sich nicht so viel verändert, wie ich gedacht hatte.“ Heiderich ist in einer turbulenten Zeit nach Berlin gekommen. Einen Tag nach seiner Rückkehr bebte die Erde in Japan und auch das Energiekonzept seiner Partei wurde durch die Reaktorkatastrophe in Fukushima erschüttert. Nun drängt die Mehrheit der Wähler auf den Atomausstieg, während sich auch noch die Libyenkrise zuspitzt. „Es gibt viel zu tun“, sagt Heiderich diplomatisch.

Jetzt steht jedoch zuerst eine Debatte über Präimplantationsdiagnostik auf der Tagesordnung. „Darf man künstlich gezeugte Embryos auf Krankheiten testen, bevor sie in den Mutterleib eingepflanzt werden?“ lautet die Frage, die emotional im Plenarsaal diskutiert wird.

Heiderich will sich dem Gesetzentwurf einiger Abgeordneter anschließen, die die PID in strengen Grenzen befürworten. „Wer hätte gedacht, dass ich mal mit Renate Künast auf einem Zettel stehe“, scherzt der CDU-Mann.

Von Saskia Trebing

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