Besuch bei Staatsminister Roth - Informationsfahrt nach Berlin im Schnellcheck

Berlin ist eine Reise wert: Von Bundestag bis Stasi-Knast

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Berlinreise des SPD-Wahlkreisabgeordneten Michael Roth. Gruppenbild im Auswärtigen Amt.

Dreimal im Jahr dürfen Bundestagsabgeordnete jeweils 50 Besucher aus ihrem Wahlkreis in die Bundeshauptstadt einladen. Organisiert werden diese Reisen vom Bundespresseamt. Wir haben eine Reisegruppe des SPD-Bundestagsabgeordneten und Europastaatsministers Michael Roth begleitet. Ein Schnellcheck.

Drei Tage lang war eine Reisegruppe aus dem Wahlkreis 169 (Hersfeld-Rotenburg/Werra-Meißner) auf den Spuren der großen Politik unterwegs in Berlin.

Die Anreise: Ein Reisebus bringt die Gruppe mit Zustiegsmöglichkeiten in Rotenburg, Bebra, Bad Hersfeld, Eschwege und Witzenhausen in die Hauptstadt. Mit Pausen und Stau auf der A 10 kurz vor dem Ziel dauert die Fahrt von Bad Hersfeld aus etwa acht Stunden.

Die Gruppe: Der geschätzte Altersschnitt liegt jenseits der 50. Aber auch einige junge Leute sind dabei. Die Teilnehmer kommen aus dem gesamten Wahlkreis. Mit mehreren Personen sind der Partnerschaftsverein Bebra-Knaresborough sowie der Kulturverein Gelstertal aus dem Witzenhäuser Stadtteil Hundelshausen vertreten. Grundsätzlich stehen die Fahrten jedem Einwohner offen. Michael Roth lädt häufig ehrenamtlich Tätige ein, um sich für deren Engagement zu bedanken. Zum Teilnehmerkreis zählen auch SPD-Mitglieder, die aber nicht die Mehrheit bilden. Die Berlin-Reisen des Abgeordneten erfreuen sich großer Beliebtheit. Aktuell stehen etwa 400 Interessenten auf der Warteliste des Wahlkreisbüros.

Die Unterbringung: Die Teilnehmer übernachten in Zweibettzimmern in einem guten Mittelklassehotel am Anhalter Bahnhof – Potsdamer Platz, Brandenburger Tor und Reichstag befinden sich in unmittelbarer Nachbarschaft.

Das Programm ... ist umfangreich. Zeit zum Verschnaufen bleibt kaum: Besichtigungen im ehemaligen Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen, im Deutschen Historischen Museum, Stadtrundfahrt, Führung und Diskussion im Willy-Brandt-Haus, im Bundestag und im Auswärtigen Amt. Ausgewählt werden die Programmpunkte vom Bundespresseamt. Die Wahlkreisbüros können zwar Wünsche äußern, haben aber keinen direkten Einfluss auf die Zusammenstellung.

Die Höhepunkte: Beklemmend und deshalb umso eindrucksvoller ist die Führung durch das ehemalige Stasi-Untersuchungsgefängnis Hohenschönhausen. Durch den späten Besuchstermin im Bundestag ist die Plenarsitzung zwar schon vorbei. Dafür gibt es um so kurzweiligere Erklärungen eines Besucherdienst-Mitarbeiters. Und der nächtliche Blick von der Reichstagskuppel über die Hauptstadt ist einfach grandios. Ein kleiner Höhepunkt ist auch Gästebetreuerin Uli Schurich. Das schrille Original geleitet die Gruppe charmant mit Berliner Schnauze durch die Hauptstadt.

Die Kosten: 15 Euro zahlen die Teilnehmer für Eintritts- und Trinkgeld. Die Kosten für Fahrt, Unterbringung und zwei warme Mahlzeiten pro Tag übernimmt das Bundespresseamt, das über ein Budget von jährlich 24,6 Millionen Euro verfügt. Wegen dieser Kosten sind die Informationsfahrten durchaus umstritten. Der Bund der Steuerzahler hält beispielsweise eine stärkere finanzielle Beteiligung der Reiseteilnehmer für vertretbar.

Das Fazit: Berlin ist auf jeden Fall eine Reise wert. Die Fahrt ist kein Erholungsurlaub auf Staatskosten, sondern eine Bildungsreise. Die Teilnehmer erhalten einen kurzen, aber äußerst interessanteren Einblick ins politische Geschehen in der Bundeshauptstadt.

Wahlkreis-Reise nach Berlin

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