Verbraucherschützer fordern Regeln für Schuldeneintreiber

Berater warnen vor Inkasso-Abzocke

Hersfeld-Rotenburg. Um weitere zügellose Geschäfte mit Schulden zu verhindern, fordert die Verbraucherzentrale Hessen klare Regeln für Inkasso-Unternehmen. Den unseriösen Praktiken vieler Schuldeneintreiber müsse ein Riegel vorgeschoben werden.

Jeden Tag werde die Verbraucherberatung in Nordhessen mit unberechtigten Forderungen an Ratsuchende konfrontiert, sagt Eva Raabe, leitende Beraterin in Kassel. Meist stünden unberechtigte Inkassoforderungen im Zusammenhang mit Abofallen im Internet, unerlaubter Telefonwerbung oder Gewinnspielwerbung. Viele Betrof-fene fühlten sich bedroht und eingeschüchtert und zahlten aus Unkenntnis oder Angst, „obwohl es häufig keinerlei rechtliche Grundlage gibt“, berichtet Raabe.

Auch in der Bad Hersfelder Beratungsstelle des Deutschen Hausfrauen-Bundes sind unberechtigte Inkasso-Forderungen „unser tägliches Brot“, sagt Beraterin Heike Braun. Und es seien immer wieder dieselben Inkasso-Unternehmen, die tätig würden. In vielen Fällen würden die Betroffenen auf die Forderungen eingehen, um Ruhe zu haben. „Ich war ja auf der Internet-Seite, und nun zahle ich eben die 96 Euro“, bekommt die Beraterin zu hören. Damit freilich besteht dann ein Vertrag, und im nächsten Jahr werden wieder 96 Euro gefordert – „für null Leistung“, sagt Heike Braun. Sie gibt Betroffenen Musterbriefe an die Hand, um die meist unberechtigten Forderungen schon im Vorfeld abzuwehren.

Ärgerlich sind aus Sicht der Verbraucherschützer auch Phantasiegebühren der Inkasso-Unternehmen, die für eine Kostenexplosion der Gesamt-rechnung sorgen. Ein besonders krasser Fall aus der Schuldnerberatung: Für eine Forderung von anfangs 20,84 Euro wurde am Ende die Zahlung von 1200 Euro verlangt. Der Grund: Inkasso-Unternehmen könnten ihre Gebühren bisher nahezu willkürlich festlegen. ZUM TAGE

Von Jörg Steinbach

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