Jugendliche gestalten Getränkewagen für die Aktion „Lolls ohne Prolls“

Berater gegen den Kater

Vom Bierwagen zur Saftpresse: Christina Heimeroth (3. von links) und ihre Helfer bearbeiten das alte Logo des Getränkewagens mit Heißluftfön und Spachtel. Foto: Becker

Bad HErsfeld. „Man kann auch ohne Alkohol Spaß haben“ – dieser Satz ist sicherlich schon so alt wie die Geschichte des Alkohols selber und trotzdem scheint er einfach nicht aus der Mode zu kommen. Vielleicht liegt es daran, dass es noch immer nicht alle glauben wollen, was da gesagt wird. Zu einer gelungenen Party gehört für viele Menschen der Alkohol so selbstverständlich dazu wie die Musik oder der Nudelsalat. Auch für viele der Feierfreudigen, die jedes Jahr das Lullusfest besuchen, ist der Vollrausch am Lollsmontag fest in der Jahresplanung verankert. Vor zwei Jahren artete der Alkohlkonsum am Lolls so sehr aus, dass Bürgermeister Boehmer von einer Schande für die Stadt Bad Hersfeld sprach.

Große Erfolge erzielt

Als Gegenreaktion wurde die Aktion “Lolls ohne Prolls“ ins Leben gerufen, die sich im vergangenen Jahr als überaus erfolgreich erwies. Mit dabei war auch Christina Heimeroth von der Fachstelle für Suchtprävention in den Kirchenkreisen Hersfeld und Rotenburg. Zusammen mit einigen Jugendlichen, die sie gemeinsam mit Christine Fuchs-Hannappel an der Modellschule Obersberg zu so genannten „Peers“ ausbildet, verteilte sie von einem aus Fulda geliehenen Wagen alkoholfreie Cocktails an die Besucher des Lollsumzuges. „Wir fordern keine absolute Abstinenz“, stellt Heimeroth klar. „Trotzdem wollen wir einen verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol vermitteln.“ Dabei sei es besonders wichtig, die Jugend zu integrieren. „Gerade ältere Leute sagen oft, dass die Jugend von heute nur noch am Trinken sei.“ Mit der Cocktailaktion wolle man dieses Missverständnis ein für alle mal aus der Welt räumen. Die „Peers“ schenken aber nicht nur bunte Mixgetränke aus, sondern informieren Gleichaltrige auch über die Gefahren und Risiken des Alkohols. Außerdem stehen sie als Berater und Zuhörer zur Seite, wenn Jugendliche im Bezug auf Alkohol Probleme haben, sei es mit sich selbst, im Freundeskreis oder in der Familie. Die Idee gefiel der Stadt so gut, dass sie den „Peers“ einen eigenen Getränkewagen sponsorte. Christina Heimeroth und ihre Helfer sind gerade dabei, diesen mit Spachtel und Heißluftfön von seinem alten Logo zu befreien, damit er zum Lullusfest voll einsatzfähig ist. Aber auch an anderen Veranstaltungen, wie Schulfesten oder auf der Kirmes soll der Wagen verwendet werden. Ein Name für den Wagen ist allerdings noch nicht gefunden „Vielleicht so etwas wie „Saftpresse“ meint Christina Heimeroth und lacht. Hauptsache, er ist alkoholfrei.

Von Hannah Becker

Kommentare