HZ-Interview mit Innenminister Volker Bouffier

Wir bemühen uns um mehr Polizisten

Bad Hersfeld. Innenminister Volker Bouffier hat vor dem Wirtschaftsrat eine durchweg positive Bilanz der Polizeiarbeit in Hessen gezogen. Über die objektive Sicherheitslage und das subjektive Sicherheitsempfinden der Bürger sprach Kai A. Struthoff mit dem Minister.

Herr Minister Bouffier, Sie loben die Aufklärungserfolge und den Rückgang der Straftaten in Hessen. Dennoch gibt es viele Menschen, die beispielsweise hier in Bad Hersfeld Angst haben, abends auf die Straße zu gehen. Was sagen Sie ihnen?

Volker Bouffier: Dass ich sie verstehen kann. Das subjektive Sicherheitsempfinden hat eine große Bedeutung. Ich nehme die Ängste der Menschen sehr ernst. Aber man muss auch die objektive Lage sehen. Wir konnten beispielsweise die Zahl der Wohnungseinbrüche in den letzten zehn Jahren um die Hälfte reduzieren. Aber das nützt dem, der gerade Opfer eines Einbruchs geworden ist, herzlich wenig. Das können wir nur auffangen, indem wir den Opfern helfen und unsere Strukturen ausbauen und verbessern.

Im Kreis Hersfeld-Rotenburg ist die Zahl der Polizeibeamten kontinuierlich reduziert worden. Wann schicken Sie hier bei uns wieder mehr Beamte auf die Straße?

Bouffier: Wir machen gerade eine große Ausbildungsoffensive. Wir werden jetzt jährlich etwa 200 Beamte mehr im Dienst haben als in den Ruhestand gehen – das wird man bald spüren. Die Stellen hier im Kreis sind alle besetzt...

Aber es sind weniger als noch vor ein paar Jahren?

Bouffier: Es gibt aber auch neue Felder der Kriminalität, vom Terrorismus bis zur Internetkriminalität. Das kann ich nicht in Rotenburg oder Bad Hersfeld auf der Straße bekämpfen, sondern das muss ich zentral machen. Der Erfolg der Kriminalitätsbekämpfung ist nicht an der Zahl der einzelnen Beamten auf der Straße messbar. Man muss sehen, wer kümmert sich insgesamt um die Kriminalität in der Region.

Ja, wer tut das?

Bouffier: Wir haben die regionalen Kriminalinspektionen, die bestimmte Formen des Verbrechens zentral bekämpfen. Diese Beamten waren früher bei den Stationen.

Und sie werden von den Menschen hier vor Ort vermisst.

Bouffier. Ich kann ziemlich sicher sagen, dass früher auf keinen Fall mehr Beamte da waren. Wir haben jetzt die zweigeteilte Polizeilaufbahn, die ich umgesetzt habe. Früher gab es auf dem Papier viele Beamte, die aber gar nicht da waren, weil sie zur Ausbildung unterwegs waren – drei Jahre für den gehobenen Dienst. Das gibt es heute nicht mehr.

Können Sie Zahlen nennen?

Bouffier: Im Polizeipräsidium Nordhessen beispielsweise hatten wir 62 bis 65 Beamte, die zwar mitgezählt wurden, aber ständig zur Ausbildung unterwegs waren. Heute sind es nur noch 18 Kollegen. Trotzdem ist es ganz klar, dass wir uns bemühen, noch mehr Polizeibeamte zu gewinnen. Aber die Belastung wird wegen der vielen neuen Aufgaben hoch bleiben.

Kommentare