Lebensgroße Schmähpuppe gegen Rathauschef kostete Schrotthändler 675 Euro Strafe

Beleidigter Bürgermeister

Diese Schmäh-Puppe gegen den Heringer Bürgermeister hing im Juli 2009 am örtlichen Schrottplatz. Foto: nh

Bad Hersfeld. Sie hing in sechs Meter Höhe an einer Kette, sie war lebensgroß, trug ein rotes Damenkostüm, Stiefel und einen Strohhut. Um ihren Hals ein Schild mit der Aufschrift „Ries du Verräter“.

Die Schmäh-Puppe am Heringer Schrottplatz, die am letzten Juli Wochenende 2009 von jedermann besichtigt werden konnte, richtete sich ganz offensichtlich gegen den örtlichen Rathauschef Hans Ries, mit dem der Betreiber des Lagerplatzes passenderweise wegen einer Grundstücksangelegenheit im heftigen Streit lag.

Wegen Beleidigung musste sich der 52-jährige Ronshäuser gestern vor Einzelrichter Elmar Schnelle am Bad Hersfelder Amtsgericht verantworten und erklärte sich prompt für unschuldig.

Die Puppe habe er aufgehängt, gab er zu. Allerdings nicht, um den Bürgermeister zu schmähen, sondern als Vogelscheuche. Denn just an dieser Stelle säßen die Stare im Baum und beschmutzten sein darunter abgestelltes Auto.

Das Verräter-Schild müsse über Nacht von einer unbekannten Person aufgehangen worden sein, beteuerte der Angeklagte, von ihm stamme es jedenfalls nicht.

„Reisfreie Zone“

Dass er vier Wochen später eine weitere, kleinere Puppe installierte und diese mit der Aufschrift „Reisfreie Zone“ versehen hatte, räumte der 52-Jährige ein. „Reisfrei“ sei ironisch gemeint gewesen, erklärte er sein Wortspiel.

Die Geschichte von der Vogelscheuche und dem unbekannten Schild-Umhänger glaubten freilich weder Staatsanwalt Giebel noch Richter Schnelle: Wegen Beleidigung wurde der Ronshäuser zu einer seinem schmalen Einkommen angepassten Geldstrafe von 675 Euro verurteilt.

Richter Schnelle begründete den Schuldspruch mit den Ungereimtheiten in der Aussage des Angeklagten. So wolle er es erst zwölf Jahre nach Übernahme des Schrottplatzes für nötig befunden haben, sein Auto vor dem Dreck der Vögel im Baum zu bewahren. Zudem hätte die Puppe nur samt Schild in dieser Höhe aufgehängt werden können. Für nachträgliche Arbeiten am Objekt wäre eine sehr lange Leiter erforderlich gewesen – die dem Angeklagten, aber wohl kaum einem zufälligen Täter zur Verfügung stand. Und ein Motiv hatte der Ronshäuser wegen seiner schon jahrelang andauernden Auseinandersetzung mit Ries ebenfalls.

Passt in den Ofen

Wie sauer der Angeklagte auf den Bürgermeister war, machte die Zeugenaussage eines Pressevertreters deutlich: Diesem hatte der Ronshäuser nicht nur Fotos von der Puppe zugespielt, sondern bei einem Ortstermin auch einen Heizofen gezeigt mit den Worten: „Da würde der Ries perfekt reinpassen“.

Von Karl Schönholtz

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