„Bad Hersfeld liest“ – Bestsellerautor Herman Koch war zu Gast in der Stadthalle

Ein beklemmendes Menü

Viel zu tun: Nach der Lesung erfüllte Herman Koch Autogrammwünsche und beantwortete Fragen der Gäste. Foto: Hettenhausen

Bad Hersfeld. Wenn Bad Hersfeld ein Buch liest, dann muss dieses die Leser und Zuhörer in seinen Bann ziehen, dann muss dessen Thema einen beschäftigen und für allgemeinen Gesprächsstoff sorgen. All diese Kriterien erfüllt der Roman „Angerichtet“ des Niederländers Herman Koch.

Am Freitagabend war der Autor mit seinem Verlagsrepräsentanten Raphael Pfaff– Kiepenheuer & Witsch – in die Stadthalle gekommen, um zur Abschlussveranstaltung der neunten Auflage von „Bad Hersfeld liest ein Buch“ aus seinem Werk vorzutragen.

Packender Lesestoff

„Angerichtet“ bietet einen packenden Lesestoff, der einen am Ende nicht entspannt zurücklehnen lässt, sondern der einen aufgewühlt noch eine ganze Weile beschäftigt.

„Herman, damit hast du wirklich etwas angerichtet“, sagte Pfaff, der als Gesprächspartner den Autor vorstellte und interviewte. Der Roman wurde in 14 Sprachen übersetzt. Er war 2009 auf Platz sieben der europäischen Bestsellerliste und bescherte dem Autor zahlreiche Auszeichnungen. Mittlerweile gibt es sogar Ambitionen, ihn zu verfilmen. Im April 2012 wird er als Theaterstück in Ingolstadt und in Amsterdam aufgeführt.

Was macht den Erfolg dieses Werkes aus? „Der Roman ist eine Satire, ein Familiendrama und ein Psychothriller“, so beschrieb ihn Pfaff. Diese Mischung ist wohl sein Erfolgrezept, ebenso sein oft hintergründiger Humor, aber vor allem ist es das aktuelle Thema der Gewaltbereitschaft von Jugendlichen.

Aus einem scheinbar belanglosen Treffen zweier Brüder und deren Frauen wird mit steigender Dramatik die moralische Frage aufgeworfen, wie sich Eltern verhalten sollen, die erfahren, dass ihre Kinder zu Mördern geworden sind. Das Geschehen spielt sich in einem Amsterdamer Gourmet-Restaurant ab. Kochs Geschichte hat einen realen Hintergrund. „Es gab 2005 einen solchen Vorfall, dass Kinder aus gutbürgerlichem Haus derart straffällig wurden, in Barcelona“, erzählte Koch, dessen spanische Familie dort lebt.

Bürgermeister Thomas Fehling hatte zu Beginn der Lesung sein persönliches Fazit der Lektüre genannt. Dies enthielte zum einen den Appell, nicht wegzuschauen, sondern zu helfen, und zum andern die Frage „Wie verhalte ich mich?“, die sich jeder stellen müsste. Dieses gesellschaftspolitische Thema bietet viel Diskussionsstoff, das war den Gesprächen der Gäste zu entnehmen. Kontroverse Urteile über das Buch wie „faszinierend“, „spannend“, „fesselnd“, aber auch „beklemmend“ und „unangenehm“ waren zu hören.

Leider gab es nach der Lesestunde, die Helgo Hahn, Christian Winter und Lawrence Wenk musikalisch umrahmten, keine Fragerunde für das Publikum. Erst als Herman Koch am Büchertisch der Hoehlschen Buchhandlung fleißig Autogramme schrieb, nutzten viele Besucher die Gelegenheit zu einem Gespräch mit dem Autor.

Von Vera Hettenhausen

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