Wochenendporträt: Klinikpfarrer Georg Perels verabschiedet sich in den Ruhestand

Beistand rund um die Uhr

40 Jahre im Kirchendienst: Klinikpfarrer Georg Perels hat in seiner Zeit am Klinikum viel Leid, aber auch Freude erlebt. Foto: Spanel

Bad Hersfeld. Über seiner dezent gemusterten Krawatte liegt eine Kette mit einem silbernen Kreuz. Das Zeichen seines Glaubens trägt Georg Perels auch als Anstecknadel am Revers seiner Anzugjacke. Das genügt ihm an christlicher Symbolik, und hinter einem förmlichen Talar wollte sich der Klinikpfarrer ohnehin nie verstecken.

Viel lieber ist Georg Perels direkt auf die Menschen zugegangen, um ihnen seine Hilfe anzubieten. Den Patienten, Angehörigen, Pflegern und Ärzten des Bad Hersfelder Klinikums war der 65-Jährige in den vergangenen 21 Jahren zu jeder Tages- und Nachtzeit ein vertrauensvoller Ansprechpartner, tröstender Begleiter und hin und wieder auch Wegweiser.

Trost im gemeinsamen Gebet

„Jeder Klinikaufenthalt ist zugleich auch eine Ausnahmesituation für die Betreffenden“, sagt Georg Perels mit seiner ruhigen, sanften Stimme. „Und natürlich gibt niemand seine spirituellen Bedürfnisse einfach an der Krankenhaustür ab.“ Einen Unterschied zwischen den einzelnen Konfessionen oder Glaubensrichtungen machte er daher nie. Beistand habe jeder bekommen – den Glauben bewerten aber wolle er nicht.

Natürlich sei die Tätigkeit als Klinikpfarrer nur schwer mit der einer normalen Pfarrstelle zu vergleichen. Sehr viel Belastendes und Trauriges erlebte er im tagtäglichen Umgang mit den Patienten. Auch habe er immer wieder mit Angehörigen zu tun gehabt, die in ihrem Leid nicht mehr wussten, wohin. „Oft haben wir uns in der Klinikkapelle versammelt und gemeinsam gebetet – das hat geholfen“, sagt der 65-Jährige.

Um das Erlebte selbst verarbeiten zu können, nahm er regelmäßig an Treffen mit anderen Klinikpfarrern teil oder suchte das Gespräch mit seiner Frau Tatjana. „Selbstverständlich musste das Beichtgeheimnis auch dann stets gewahrt bleiben“, erklärt er. Zusätzlich bereitete er sich in einer sechswöchige Seelsorger-Ausbildung an der Kirchlichen Hochschule in Bethel auf die besondere Situation vor.

Aber auch viel Positives habe er in den vergangenen Jahren erlebt. „Ich habe Kinder und Erwachsene in der Klinikkapelle getauft und sogar Paare verheiratet“, erinnert sich Perels. Neben den sonntäglichen ökumenischen Gottesdiensten war er auch der erste Ansprechpartner für die „Grünen Damen“, den ehrenamtlichen Helferinnen im Klinikum. Besonders engagiert hat er sich zudem auf der Palliativstation, in der Psychiatrie und der Geriatrie. „Zum Konzept der Altersheilkunde am Hersfelder Klinikum gehört auch der seelsorgerische Ansatz“, sagt Perels. Er sei unter anderem auch deshalb eine so lange Zeit am Hersfelder Klinikum geblieben, weil er sich stets geachtet und gebraucht gefühlt habe.

Von Emily Spanel

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