Zwei Heranwachsende vor dem Jugendschöffengericht – Urlaub ausgenutzt

Beim Nachbarn eingestiegen

Bad Hersfeld. Gelegenheit macht Diebe, heißt es im Volksmund. Und die war für zwei Heranwachsende aus Bad Hersfeld im Juni vergangenen Jahres gekommen, als die Nachbarn in einen mehrwöchigen Urlaub gefahren waren. Die beiden jungen Männer holten sich bei ihrem nächtlichen Besuch nicht nur TV-Geräte, Computer, Sparbücher und Bargeld, sondern auch Schlüssel und Papiere für zwei Pkw, mit denen sie einen Spritztour nach Fulda unternahmen.

Dreistigkeit und Ausmaß des Fischzuges sorgten gestern vor dem Jugendschöffengericht des Amtsgerichts Bad Hersfeld immer wieder für Kopfschütteln, denn die Angeklagten waren strafrechtlich bis dahin nicht beziehungsweise nur geringfügig aufgefallen.

In Fulda waren die 19 und 20 Jahre alten Jungs nach Tankbetrug und Ampelrennen zwar einer Polizeistreife aufgefallen, doch sie redeten sich kaltblütig heraus: Der eine gab an, das Auto der Freundin zu fahren, der andere zeigte den gerade geklauten Fahrzeugbrief vor und sagte, den Pkw am selben Tag gekauft zu haben. Die ausstehenden Tankrechnungen bezahlten sie mit dem beim Nachbarn gestohlenen Geld.

Doch noch in der Nacht und nach der Heimkehr mit den „geborgten“ Autos wusste der Jüngere, „das war der größte Mist, den ich je gebaut habe“, und offenbarte sich der Mutter und der Polizei. In seinem Fall begnügte sich das Gericht am Ende auch mit einer Verwarnung und der Verhängung von 70 Stunden gemeinnütziger Arbeit.

Etwas anders lag der Fall beim Älteren: Der war über ein ganzes Jahr hinweg immer wieder mit dem Pkw seiner Mutter unterwegs, versah ihn mit gestohlenen Kennzeichen und tankte, ohne zu bezahlen. Zwar hat sich auch der 20-Jährige seit März nichts mehr zu Schulden kommen lassen, er war geständig und ist bemüht, den angerichteten Schaden wieder gut zu machen. Doch das Gericht mit Direktorin Michaela Kilian-Bock an der Spitze war überzeugt davon, dass der Azubi ohne Hilfestellung wieder vom rechten Weg abkommen könne. Deswegen ging das Urteil über den von der Staatsanwaltschaft beantragten Dauerarrest hinaus: Acht Monate Jugendstrafe auf Bewährung wurden verhängt, dazu 150 Arbeitsstunden und die Verpflichtung zur Wiedergutmachung. Ein Bewährungshelfer soll dem jungen Mann dabei helfen.

Von Karl Schönholtz

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