Beim Amazon-Streik in Bad Hersfeld rollt der Ball

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Kicken statt Frust schieben: Die Amazon-Mitarbeiter spielten gemeinsam auf dem Parkplatz vor dem Gebäude oder tanzten zur Musik. Auch wenn die Streiks bislang noch keinen Erfolg zeigten, die Stimmung bei den Arbeitnehmern ist weiterhin gut.

Bad Hersfeld. „Wir woll’n mehr Kohle sehen“, skandierten die rund 150 Mitarbeiter des Online-Versandhändlers Amazon auf der Straße. Die Gewerkschaft Verdi hatte am Montag zum bislang dritten Streik in Bad Hersfeld und Leipzig aufgerufen. Der Erfolg dieser Aktionen hält sich bislang aber in Grenzen.

Noch immer ist die Geschäftsführung von Amazon nicht zu Gesprächen bereit, um einen Tarifvertrag im eigenen Unternehmen einzuführen. Das könnte aber weitere Folgen für den Konzern haben. „Von Streik zu Streik schließen sich uns mehr Mitarbeiter an, wir bekommen viel Unterstützung von unseren Kollegen“, erklärt ein Amazon-Mitarbeiter, der aber namentlich nicht genannt werden möchte. Ohnehin hatte man das Gefühl, dass die aktuell schwierige Situation bei Amazon die Streikbereitschaft der Belegschaft nicht gemindert hat.

Fußball auf dem Parkplatz

Während der Parkplatz vor dem Amazon-Gebäude mit Musik beschallt wurde, spielten einige Mitarbeiter entspannt eine Runde Fußball, direkt gegenüber wurde fröhlich getanzt. „Die Stimmung hier ist super. Damit kein Missverständnis aufkommt: Hier würden alle gerne lieber arbeiten, aber momentan gibt es keine andere Alternative zum Streik“, bestätigt Heiner Reimann, Streikleiter von Verdi.

So zogen die Mitarbeiter dann weiter zur Amazonstraße. Dort blockierte die Gruppe die Lkw-Zufahrt und skandierte vor einem anhaltenden Fahrzeug „Aussteigen, mitstreiken.“ Einige der Lkw-Fahrer ließen sich auch nicht lange bitten und streiften sich unter großem Jubel der Streikenden eine der gelben Verdi-Westen über.

Und diese Maßnahmen werden Wirkung zeigen, wie Reimann hofft: „Amazon arbeitet mittlerweile schon mit ein paar Tricks.“ So würden aktuell die Lieferzeiten von einem auf bis zu drei Tage angehoben werden. „Bestellungen von Prime-Kunden, denen die Lieferung der Ware am Tag nach der Bestellung zugesichert wird, wurden oftmals gar nicht erst angenommen, damit der Betrieb nicht in Lieferschwierigkeiten kommt“, sagt Reimann weiter.

Trotz dieser Problematik, eine Einigung in Sachen Tarifvertrag ist offenbar noch nicht in Sicht. Reimann bleibt aber selbstbewusst: „Bisher haben wir nur drei Warnschüsse abgegeben. Wir planen bereits weitere, längerfristige Streiks und Aktionen, sofern keine Einigung in Sicht ist.“

Amazon erklärte, die Mehrheit der Mitarbeiter haben regulär gearbeitet. Daher gebe es keinerlei Auswirkungen auf den Versand an Kunden.

Von Kevin Hildebrand

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