Montagsinterview mit Holk Freytag, Intendant der Bad Hersfelder Festspiele

Beide Seiten wollen

Auf der Ehrentafel der Bad Hersfelder Festspiel-Intendanten ist bisher nur der Beginn von Holk Freytags Amtszeit vermerkt. Eine Verlängerung seines bis 2014 laufenden Vertrages scheint jedoch nur noch Formsache zu sein. Foto: Schönholtz

Bad Hersfeld. Seit dem vergangenen Freitag sind bei den 62. Bad Hersfelder Festspielen alle Premieren und Wiederaufnahmen über die Bühnen von Stiftsruine, Eichhof und Schilde-Halle gegangen. Wir haben Intendant Holk Freytag zur Zwischenbilanz befragt.

Herr Freytag, das Publikum mag offenbar die Inszenierungen, die Kritiken waren positiv, und im Bühnenbild der Komödie „Ewig jung“ werden Sie als Intendant bis 2025 ausgewiesen. Wie steht’s denn nun wirklich um die Verlängerung Ihres bis nächstes Jahr laufenden Vertrages?

Holk Freytag: Absichtserklärungen gibt es von beiden Seiten, und ich denke, dass wir noch zu einem Ergebnis kommen, solange die Festspiele laufen. Ansonsten mache ich mir schon Gedanken über die Zeit darüber hinaus.

Wie zufrieden sind Sie denn selbst mit dem Verlauf der Spielzeit 2012?

Freytag: Ich bin relativ zufrieden, wobei Zufriedenheit ja ein Zustand ist, den man nicht erreichen darf ...

Das sagen Sie immer ...

Freytag: ... ist aber so, denn ich bin noch nicht ganz zufrieden, weil ich glaube, dass wir noch ordentlich zulegen können. Aber es ist natürlich toll gelaufen bis jetzt. Wir haben ein bisschen Probleme mit dem Wetter. Das macht uns die Abendkasse kaputt. Die ist in den letzten Jahren immer wichtiger geworden, weil die Leute von jetzt auf gleich entscheiden, dass sie in die Festspiele gehen. Bei dieser Wetterlage ist das gedämpft.

Sie haben diesmal auf Stars gesetzt. Volker Lechtenbrink, Michael Schanze und Julian Weigend haben den Festspielen viel Aufmerksamkeit auch über das Feuilleton hinaus beschert. Ist das der Weg, den Sie ganz bewusst einschlagen?

Freytag: Den wollte ich schon immer gehen. Man kommt nur nicht immer an die Leute ran. Die Probleme sind bekannt. Die Festspiele liegen terminlich sehr früh, dann sind die Stars in den Theatern noch in ihren Produktionen und ich bekomme sie nicht. Ansonsten wird sehr viel gedreht im Sommer. Im Grunde genommen werden wir aber so weitermachen, wenn es uns gelingt. Für 2013 bahnt sich das jedenfalls ganz gut an.

Sie haben sich mit der Auswahl der Bühnenfassung von Thomas Manns „Der Zauberberg“ etwas getraut. Das war dann auch die einzige Produktion, die von der Kritik zwiespältig aufgenommen wurde. Nicht wegen der Inszenierung, sondern wegen der Umsetzung des Romans in ein Schauspiel. Würden Sie es trotzdem wieder tun?

Freytag: Ja, das würde ich wieder tun. Ich finde, das ist eine sehr schöne Produktion. Ich habe große Freude daran. Wir dürfen nicht nur den Massengeschmack bedienen, sonst wird das Alleinstellungsmerkmal, das die Festspiele seit vielen, vielen Jahren haben, gefährdet. Wir können nicht nur Musical und Komödie machen, das geht nicht, sondern wir machen Musical, Komödie und ein ernstes Stück.

Sie haben eben von Zukunftsplanungen gesprochen. Wissen Sie denn schon, was nächstes Jahr gespielt wird?

Freytag: Ja, ich weiß das. Aber Sie wissen auch, dass hier der Magistrat das jus primae noctis hat ... (wörtlich: „Das Recht der ersten Nacht“, gemeint ist hier das Recht, als erster informiert zu werden, Anm. d. Red.).

Die Veranstaltungsreihe Europolis 2050 mit Jugendforum und Sommerakademie ist ihr Baby und nach drei Jahren etabliert. Sind Sie schon da, wo Sie hin wollten?

Freytag: Ja. Ein Teil ist da, wo ich’s haben will. Das Internationale Jugendforum fand ich ganz hervorragend in diesem Jahr. Wir haben jetzt auch das Team der drei Theaterpädagogen als Gruppenleiter zusammen, die sind absolut toll. Der Punkt, wo wir noch etwas verändern wollen, ist die Sommerakademie. Da gibt es die Überlegung, dass man sie vom Jugendforum und von den Festspielen trennt. Nicht inhaltlich, aber zeitlich.

Das problematische Verhältnis zwischen den Festspielen und der Oper ist ein Dauerthema, zuletzt auch bei der Hersfeldpreisverleihung. Von Ihrer Seite gibt es Gedankenspiele für die Zeit nach Auslaufen der derzeitigen vertraglichen Regelungen. Weiß der Arbeitskreis für Musik von Ihren Überlegungen?

Freytag: Nein. Es gibt zurzeit überhaupt keine Gespräche. Das halte ich im Moment auch nicht für machbar. Minister Hahn hat sich ja angeboten, zu moderieren. Das würde ich gerne annehmen.

Sie würden aber nicht unvorbereitet in solch eine Verhandlung gehen?

Freytag: Auf keinen Fall. Das Konzept liegt auch bei Bürgermeister Fehling schon auf dem Schreibtisch.

Von Karl Schönholtz

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