Rita K. kämpft für die „Wahrheit“ im Mordfall Weimar – Geldstrafe wegen Beleidigung

Behauptungen statt Beweise

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Bad Hersfeld. Ist Rita K. eine durchgeknallte Querulantin? Ein Don Quichote in Frauengestalt? Oder ist die 58-Jährige aus Hamburg eine unbeirrbare, aufrechte Kämpferin für eine Wahrheit, die keiner hören will? Seit etwa 15 Jahren lebt die Journalistin für ihre Mission, den Mordfall Weimar aufzuklären.

Ihre Behauptung: Nicht die letztlich zu lebenslanger Haft verurteilte Mutter Monika habe 1986 in Philippsthal die beiden Mädchen Melanie (7) und Karola (5) getötet, sondern Ehemann Reinhard. Diesen verfolgt K. durch immer neue Vorstöße bei der Staatsanwaltschaft in Fulda, aber auch durch zahllose Briefe und Postkarten. Wegen vier dieser Schreiben vom Frühjahr 2012, in denen sie Reinhard Weimar unter anderem als „Kindermörder“ titulierte, musste sie sich gestern vor dem Strafrichter des Amtsgerichts in Bad Hersfeld verantworten. Der Vorwurf: Beleidigung.

Dabei spielt es für Rita K. auch keine Rolle, dass Vater Weimar im vergangenen Sommer im Alter von 60 Jahren an Herzversagen gestorben ist. „Es ist ja ein Fehlurteil ergangen. Also sitze ich hier im Namen des Volkes, um dagegen aufzustehen“, sagte K. vor Gericht.

Beweise hat sie allerdings keine. Stattdessen beschuldigt sie die Staatsanwaltschaft pauschal, dass bei den Ermittlungen seinerzeit Schmiergelder geflossen und Akteninhalte vertuscht worden seien. Dabei kommt ihr zupass, dass es damals bei Polizei und Anklägern tatsächlich wechselnde Ansichten über die Täterschaft gab, ehe man sich auf die Mutter festlegte.

Monika Weimar, die seit 2006 wieder in Freiheit ist und unter anderem Namen in einer Großstadt lebt, hätten Rita K. und ihre Verteidigerin Daniela Morbach gerne als Zeugin vernommen, um die angebliche Beleidigung als Tatsache darstellen zu können. Weil das Verfahren gegen Mutter Weimar jedoch seit Langem rechtskräftig abgeschlossen ist, sah Richter Elmar Schnelle darin kein geeignetes Mittel, den Anklagevorwurf zu entkräften. Auch die Frage, ob Rita K. möglicherweise psychisch beeinträchtig sein könnte, wurde erörtert. Sie sei gesund, „absolut“, sagte die Angeklagte.

Wie von der Staatsanwaltschaft beantragt verurteilte er Rita K. wegen Beleidigung in vier Fällen zu einer Gelstrafe von 90 Taggesätzen zu je acht Euro. „Meinungsfreiheit hat ihre Grenzen, und die überschreiten Sie,“ sagte Richter Schnelle zur Begründung.

Rita K. kündigte noch im Saal Berufung gegen das Urteil an. Der gestrige Tag sei nämlich keinesfalls der letzte im Mordfall Weimar gewesen, sondern der erste ihres neuen Kampfes für die Wahrheit.

Von Karl Schönholtz

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