Wochenendporträt: Silvia Hemel leitet seit zehn Jahren die Bahnhofsmission

Begeistert vom Ehrenamt

Ohne die vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer geht gar nichts: Silvia Hemel (Vierte von links), die Leiterin von Bahnhofsmission und Bad Hersfelder Tafel weiß das zu würdigen und hält sich deshalb lieber im Hintergrund. Foto: Zacharias

Bad Hersfeld. Über sich selber redet Silvia Hemel nicht so gerne. Viel lieber spricht die Leiterin der Bahnhofsmission Bad Hersfeld und der Tafel über ihre Arbeit und am allerliebsten über das große Engagement der ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer, ohne die vielfältigen Hilfsangebote überhaupt nicht möglich wären.

Dabei hat Hemel durchaus Grund, auch auf sich selbst ein wenig stolz zu sein. Als sie 2001 bei der Bahnhofsmission anfing, als stellvertretende Leiterin, sah die Arbeit dort noch ganz anders aus. Es gab neben den Ehrenamtlichen zwei Hauptamtliche, eine Leiterin und ihre Stellvertreterin.

Und es gab noch keine Tafel, wohl aber viele hilfsbedürftige und einsame Menschen, die gerne zur Bahnhofsmission kamen, weil es dort nicht nur ein heißes Getränk und etwas zu essen gibt, sondern immer auch jemanden, der Zeit hat zum Zuhören.

Keine Stellvertretung

Die Stelle bei der Bahnhofsmission ist Silvia Hemel fast ein wenig zugeflogen. „Ich habe Kindergottesdienst gemacht und war beim Weltgebetstag aktiv und als dann jemand für die Bahnhofsmission gesucht wurde, wurde ich gefragt“, erzählt sie.

2006 übernahm Hemel die Leitung der Mission. Seitdem gibt es keine Stellvertreterin mehr. Dafür aber die Bad Hersfelder Tafel, für deren Leitung Hemel ebenfalls zuständig ist. All die Arbeit muss sie mit den Ehrenamtlichen abstimmen. „Ich habe seitdem noch nie zwei Wochen Urlaub am Stück gemacht“ erzählt sie. Sie lächelt dabei, aber ein wenig unwohl ist ihr schon bei dem Gedanken, dass die ganze Organisation, der Kontakt zu Spendern und Sponsoren, die Einteilung der Dienstpläne, der Umgang mit den Finanzen und der Schriftverkehr zum größten Teil an ihr hängt und es schwierig würde für die freiwilligen Helfer, wenn sie ausfiele.

Vom Engagement ihrer Helferinnen und Helfer ist Hemel immer wieder begeistert. Menschen ganz unterschiedlicher Altersgruppen arbeiten da gut zusammen. „Wir sind wie eine große Familie“, findet sie.

Seit dem 1. Januar gehören die Bahnhofsmission und die Tafel zum Zweckverband für Diakonie. Silvia Hemel hofft, dass sich dabei vielleicht eine Entlastung findet.

Zurzeit kümmert sie sich darum, ein neues Kühlfahrzeug für die Tafel zu organisieren. 46 000 Euro soll das kosten. 10 000 Euro hat die Lidl-Stiftung bereits zugesagt, für den Rest müssen noch Sponsoren gefunden werden.

„Wir suchen immer jemand, der uns Dinge kostenlos zur Verfügung stellt“, erklärt Hemel. Denn über eigenes Geld verfügt weder die Bahnhofsmission noch die Tafel.

Deshalb ist sie froh, dass die Stadt das ehemalige Kreisbahngebäude für die Tafel kostenlos zur Verfügung stellt. Und sie blickt mit etwas Sorge auf den geplanten Verkauf der Bahnhofsgebäude.

Von Christine Zacharias

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