24-jähriger Rotenburger wegen Rauschgifthandels zu 16 Monaten Gefängnis verurteilt

Bedrohter Zeuge, späte Reue

Bad Hersfeld. Ein eingeschüchterter Belastungszeuge, eine Verhaftung im Gerichtssaal, ein spätes Geständnis und am Ende trotzdem eine Freiheitsstrafe ohne Bewährung – der Drogenprozess gegen einen 24 Jahre alten Rotenburger vor dem Schöffengericht in Bad Hersfeld hatte allerhand zu bieten.

Denn am ersten Verhandlungstag vor zwei Wochen drohte die Anklage von Staatsanwalt Harry Wilke in sich zusammenzufallen. Ein Zeuge aus Bebra, dem der Angeklagte angeblich 52mal Marihuana und Speed zum Weiterverkauf übergeben hatte, beteuerte vor Richter Michael Krusche und den beiden Schöffen auf einmal, der Angeklagte sei nicht der Dealer gewesen, von dem er das Rauschgift erhalten hatte.

In einer Verhandlungspause hatte sich der Bebraner jedoch dem Staatsanwalt anvertraut. Er fühle sich durch eine dritte Person bedroht, berichtete der Zeuge, und habe deshalb unrichtig ausgesagt. Wegen Verdunkelungsgefahr wurde daraufhin der Angeklagte verhaftet und zum gestrigen Fortsetzungstermin vorgeführt.

Nachdem sich Staatsanwalt Harry Wilke bereit erklärt hatte, einen Teil der Vorwürfe einzustellen, falls der bislang leugnende Angeklagte ein Geständnis ablege, besprach sich der Rotenburger kurz mit seinem Anwalt und sagte dann: „Ich räume die Tatvorwürfe ein. Es tut mir leid.“ Sein Verteidiger wies auf die Spielsucht seines Mandanten als Tatmotiv hin.

Vor einer Verurteilung ohne Bewährung konnte er den 24-Jährigen jedoch auch nicht retten: Der mehrfach vorbestrafte junge Mann hatte erst im Oktober 2008 vor dem Rotenburger Amtsgericht die Bewährungschance erhalten, war aber kurz darauf schon wieder straffällig geworden.

Verurteilt wurde er für 28 Fälle des Handels mit Betäubungsmitteln sowie für den unerlaubten Besitz von etwa 20 Gramm Marihuana.

Von Karl Schönholtz

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