Fachleute analysierten die Zukunft der Krankenhäuser – Benefiz-Abend für die Tafel

Bedarf und Kostendruck

Bad Hersfeld. Eigentlich ist der Gesundheitssektor in Deutschland ein krisenfester Wachstumsmarkt, der bezüglich Umsatz und Beschäftigtenzahl schon längst traditionell führende Branchen wie die Automobilindustrie und den Maschinenbau überrundet hat.

Die Kehrseite der Medaille sind allerdings Kostendruck und Personalmangel, die Beitragssätze zur Krankenversicherung können nicht grenzenlos erhöht werden, der berufliche Nachwuchs wandert in die Ballungszentren ab. Krankenhäuser bis zu zweihundert Betten, vor allem solche in öffentlicher Trägerschaft, sind mittlerweile die Verlierer des Wettbewerbs in der Fläche.

Dieses Szenario schilderte am Donnerstagabend der Gesundheitsökonom Prof. Dr. Günter Neubauer aus München als Gastreferent einer Benefizveranstaltung des Klinikums Bad Hersfeld.

Neubauer empfahl den Krankenhäusern, die innere Organisation zu optimieren, Kostendruck und Personalengpässe durch den Einsatz moderner Technik abzufangen und sich mit den anderen lokalen Trägern der Gesundheitsvorsorge wie den niedergelassenen Ärzten zu vernetzen – bei der Betreuung von Patienten ebenso wie bei der Nutzung medizinischen Geräts.

Ähnlich beurteilte auch der zweite Redner des Abends die Lage: Thomas Göbel, als Hauptabteilungsleiter bei der AOK Hessen zuständig für Krankenhäuser und Rehabilitation. Er sieht die Krankenhäuser als medizinische Kompetenzzentren vor Ort, was aber nicht immer gleichbedeutend sein müsse mit stationärer Aufnahme der Patienten.

Die AOK Hessen vergleiche mit Hilfe von Fallanalysen und Patientenbefragungen die Behandlungsqualität bei bestimmten Therapien in den hessischen Krankenhäusern, die Ergebnisse seien im Internet (AOK-Gesundheitsnavi) aufzurufen.

Der Kostenträger müsse den Mut haben, Krankenhäuser mit schlechter Erfolgsbilanz von bestimmten Indikationen auszuschließen, sagte Göbel. Die beste Klinik für bestimmte Operationen müsse nicht immer gleich um die Ecke stehen.

Im Zelt

Der Abend mit geladenen Gästen, der in einem Restaurantzelt auf dem Klinikgelände stattfand, war gewissermaßen die Einweihungsfeier für die neue Küche des Klinikums (siehe HZ vom Donnerstag). Er diente auch der Spendensammlung für die Bad Hersfelder Tafel, die Lebensmittel an bedürftige Menschen verteilt. Dekan Ulrich Brill schilderte die Arbeit dieser diakonischen Einrichtung.

Die Veranstaltung endete mit einem Menü, das Sterne-Koch Patrick Spies vom Restaurant L’etable im Hotel Zum Stern zubereitet hatte.

Von Peter Lenz

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