Kabarettist Gerd Dudenhöffer präsentiert neues Soloprogramm in der Stadthalle

Beckers kauzige Philosophien

Heinz Becker nimmt kein Blatt vor den Mund. Foto: ast

Bad Hersfeld. Wer das Saarland und das Leben der Saarländer auf dem Land und in den Kleinstädten kennt, der wird immer wieder verblüfft, wie präzise und getreu Gerd Dudenhöffer mit seiner Bühnenfigur Heinz Becker deren Gemütswelt und Stimmungsbild punktgenau wiedergibt. Am Freitag war Heinz Becker – Erkennungszeichen „Batschkapp“ wieder einmal in der Stadthalle zu Gast.

Heinz Becker ist Besserwisser, dilettantischer Heimwerker, Nörgler, Vereinsmeier und Stammtischbesucher in einer Person.

Bekannt geworden ist die Kultfigur Heinz Becker durch die in den Jahren 1992 bis 2003 gedrehten Staffeln der Fernsehserie „Heinz Becker“. Noch heute läuft in der Weihnachtszeit die Folge „Alle Jahre wieder“ auf verschiedenen Kanälen. Der Erfolg der TV- Serie wurde 2004 mit der Verleihung des Deutschen Comedy- Preises gekrönt.

Heute hat das Soloprogramm von Gerd Dudenhöffer nichts mehr mit Comedy zu tun. In seinem annähernd zwei Stunden dauernden Programm „Die Welt rückt näher“ zeigt der Kabarettist sein komödiantisches Handwerk mit unnachahmlichem Minenspiel, messerscharfem Wortwitz und meisterhaftem Nichtssagen.

Er lässt nichts aus

Die Figur Heinz Becker lässt nichts aus. Er startet seine kauzigen Philosophien tagesaktuell mit dem Rücktritt von Bundesminister Friedrich, dem Steuerbetrug durch Alice Schwarzer und spannt durch den Verkehrsunfall von Felix Neureuther den Bogen zu Olympia in Sotschi. Die Parade von typischen Kalauern über seine Frau Hilde wurde von der Dudenhöffer-Gemeinde erwartet und mit Szenenapplaus honoriert. Dudenhöffer versteht es, nach launigen Nebensächlichkeiten unerwartet zum politischen No-Go zu wechseln. Nahezu kein Tabuthema wird ausgelassen – vom Vergleich des NS-Mutterkreuzes mit den Konsum-Rabattmarken der Nachkriegszeit, den Ausführungen zu den erneuerbaren Energien, Fukushima und der Endlagerung des Atommülls, Anmerkungen über den sexuellen Missbrauch und die Verschwendungssucht der katholischen Kirche, das Thema Frauenbewegung und Gleichberechtigung und fast zynisch die Beleuchtung der Probleme dunkelhäutiger Menschen in Deutschland und Afrika.

Immer wieder schafft es Dudenhöffer, dem Heinz-Geschwätz unerwartet Aussagen folgen zu lassen, die dem Betrachter den Atem verschlagen. Meisterhaft führt der Kabarettist sein Publikum in die Abgründe der Volksseele. Nichts macht das so deutlich wie sein Statement: „Früher waren Doktores, Lehrer und Pfarrer Respektpersonen. Heute sind sie – nicht alle – Straftäter.“

Zuschauerin Anett Jeppe aus Unterhaun fand dann auch: „Ein amüsanter Abend, der zum Nachdenken anregt. Es gab Passagen, bei denen mir das Lachen im Hals stecken geblieben ist.“ (ast)

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