Firmen profitieren von auslaufenden Lebensversicherungen und niedrigen Zinsen

Das Baugewerbe im Kreis Hersfeld-Rotenburg boomt, aber Fachkräfte fehlen

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Viele Menschen investieren in die eigenen vier Wände, davon profitiert das Bau- und Ausbaugewerbe, berichten Obermeister Klaus Stöcker (rechts) und der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Wilhelm Saal (daneben). Mit auf dem Bild: Ausbilder Rainer Becker und die Auszubildenden Janis Horst, Federico Stiebing und Christoph Brack.

Hersfeld-Rotenburg. Auslaufende Lebensversicherungen und niedrige Zinsen bescheren den Betrieben des Bau- und Ausbaugewerbes im Landkreis Hersfeld-Rotenburg volle Auftragsbücher.

Allerdings fehlt es zunehmend an Fachkräften. Das fängt beim Auszubildenden an und endet bei übernahmewilligen oder -fähigen Meistern.

„Im Bau- und Ausbaugewerbe läuft es seit der Währungskrise vor einigen Jahren super“, berichtet der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, Wilhelm Saal. Ein Ende dieser Entwicklung sei derzeit nicht absehbar. Ob seniorengerechter Umbau, energetische Sanierung oder ein neu gestalteter Garten: „Viele Menschen nutzen momentan zum Beispiel ihre auslaufenden Lebensversicherungen, um an Haus und Hof arbeiten zu lassen. Dabei spielen auch die niedrigen Zinsen für Erspartes eine Rolle“, weiß Saal. „Von diesem ‘Sonderkonjunkturprogamm’ profitieren alle Bereiche des Bau- und Ausbaugewerbes vom Dachdecker über den Tischler, Elektriker und Klempner bis zum Gartenlandschaftsbauer.“

Für die Auftraggeber kann es jedoch mitunter zu längeren Wartezeiten kommen, denn vielen Handwerksbetrieben fehlen Fachkräfte, wie Obermeister Klaus Stöcker bestätigt. Zum einen fehle es an Auszubildenden, zum anderen stehe mancher Unternehmer vor dem Problem, keinen Nachfolger für die Übernahme seines Betriebs zu finden.

Der Agentur für Arbeit liegen für den Landkreis aktuell 47 offene Stellen in Hoch- und Tiefbau sowie im vorbereitenden Baustellengewerbe und im Ausbau vor. Auch einige Ausbildungsplätze in der Bau- und Ausbaubranche waren Ende April noch unbesetzt.

Bestätigen kann diesen Trend auch Ulrich Spengler von der Industrie- und Handelskammer Kassel-Marburg, die auch ein Servicecenter für den Kreis Hersfeld-Rotenburg betreibt. "Es fehlen zudem akademische Fachkräfte, wie zum Beispiel Bauingenieure, die von großen Baufirmen gesucht werden", so der stellvertretende Hauptgeschäftsführer. Das sei gerade in ländlichen Regionen wie Hersfeld-Rotenburg ein Problem.

Um die Fachkräfte zu sichern und auf die Chancen und Möglichkeiten im Handwerk hinzuweisen, setzt man bei der Kreishandwerkerschaft nun auf verstärkte Nachwuchswerbung zum Beispiel über die Schulen. (nm)

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