Kritik: Masterplan Fuldaaue berücksichtigt Landwirtschaft zu wenig

Bauern sollen Aue pflegen

Blick ins Fuldatal aus Richtung Rotenburg nach Alheim: Immer mehr wertvolle Ackerfläche geht den Landwirten verloren. In Zukunft, so befürchten sie, könnte der gelb-blühende Raps immer seltener werden. Foto:  Schankweiler-Ziermann

Hersfeld-Rotenburg. Laut Masterplan Fuldaaue soll eine vielfältige Auenlandschaft mit Wegenetz für Fußgänger, Radfahrer, Nordic Walker und Inliner entstehen: zum Aufenthalt, Sporttreiben und Erholen, ein grünes Band mit Spiel- und Rastplätzen, Sportflächen und Liegewiesen sowie Aussichtspunkten. Auch Kunst und Kultur gehören danach zur Fuldaaue.

Bestandteil sei zudem die Landwirtschaft. „Zielsetzung ist, gemeinsam mit den Landwirten die Qualifizierung und Pflege der Fuldaaue zu vereinbaren und weiterhin Vermarktungsstrategien regionaler Produkte zu entwickeln“, heißt es in einer der Leitthesen. Und weiter: Es werde zur Koordination ein „Kümmerer“, eine Art Ranger erforderlich sein.

Die Planung gehe an der Landwirtschaft vorbei, sagen der Vorsitzende des Kreisbauernverbands, Friedhelm Diegel, Kreislandwirt Horst Taube und Thilo Frankfurth, der 60 Hektar in Alheim bewirtschaftet. „Wir wollen mehr einbezogen werden“, erklärt Taube. An Arbeitsgruppen, die nachmittags stattfänden, könnten Landwirte nicht teilnehmen. Man betreibe zudem bereits Landschaftsschutz ohne Ende, betont Diegel. Im Masterplan würden anderleuts Flächen verplant. Die Landwirte würden immer weniger wahrgenommen, kritisieren die drei.

Haupterwerbslandwirte bewirtschaften etwa zwei Drittel gepachtete Fläche, und die Eigentümer, die häufig kaum noch wissen, wo die Flächen liegen, sind bisweilen schnell bereit, sie für andere Zwecke zur Verfügung zu stellen – oft geht den Landwirten damit beste Ackerfläche verloren.

Diese betonen, dass nicht nur Landwirte, sondern die Menschen der Region betroffen sind. Wenn vor Ort immer weniger Nahrungsmittel angebaut werden, gebe es bald keine Kartoffeln mehr beim Bauern. „Es ist schön, dass es Visionen gibt, aber wir wollen sie sinnvoll begleiten“, erklärt Horst Taube, „eine intakte Natur gibt es nur mit uns.“

Von Gudrun Schankweiler-Ziermann

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