Bundesweit operierende Betrüger machten auch in Bad Hersfeld und Bebra Station

Bares Geld für faule Schecks

Bad Hersfeld. „Gute Heimfahrt, woher auch immer Sie heute gekommen sind,“ wünschte Richter Michael Krusche, nachdem er die Sitzung des Bad Hersfelder Schöffengerichts geschlossen hatte. Denn das Amtsgericht der Kreisstadt war gestern für einige Stunden Schauplatz einer Prozess-Serie, in der sich die Mitglieder einer bundesweit operierenden Gruppe von Scheckbetrügern verantworten müssen.

Immer dieselbe Masche

Aus Berlin, Landsberg, München, Neumarkt, Fulda und dem Kreisgebiet waren die Verfahrensbeteiligten angereist, die Tatorte alleine dieses Verfahrens waren in Bad Hersfeld, Bebra und Frankfurt angesiedelt.

Die Masche der Betrüger war immer dieselbe: Von Strohmännern wurden bei verschiedenen Banken Konten eröffnet, für die nach einigen Tagen EC-Karten übersandt wurden. Mittels am Computer gefälschter Schecks wurde auf den Konten ein vermeintliches Guthaben erzeugt, das per Geldautomat oder durch Überweisung prompt wieder abgehoben wurde.

Dabei machten sich die Kriminellen die Sorglosigkeit der Geldinstitute zu Nutzen: Weil die ergaunerten Beträge pro Scheck nie über 2000 Euro lagen, begnügten sich die Banken mit einer oberflächlichen Prüfung. Dass das Konto des vermeintlichen Ausstellers nicht existierte beziehungsweise nicht gedeckt war, fiel so erst Tage später auf – und damit zu spät.

So gelang es den damals in Frankfurt lebenden Betrügern im Sommer 2007, ein waldhessisches Institut über in Bad Hersfeld und Bebra eingerichtete Konten in neun Fällen um insgesamt 14 000 Euro zu prellen.

Beweise reichten nicht

Dieser Sachverhalt blieb gestern auch vor dem Schöffengericht unbestritten. Nur dass die beiden Angeklagten – ein 34-Jähriger aus Landsberg und ein drei Jahre jüngerer Berliner – die Köpfe der Bande waren, das ließ sich nicht mit der für eine Verurteilung erforderlichen Sicherheit nachweisen.

Nach einem Rechtsgespräch waren sich das Gericht, Staatsanwalt Harry Wilke sowie die beiden Verteidiger Britta Rohweder und Alexander A. Wendt einig, dass die Beweislage allenfalls für den Vorwurf der Beihilfe ausreichte.

Doch darauf kam es letztlich auch nicht an: Beide Angeklagte waren erst vor wenigen Tagen in Kempten wegen gleichartiger Taten verurteilt worden. So brachte der Landsberger schon ein Jahr und drei Monate Freiheitsstrafe nach Bad Hersfeld mit, dazu weitere sechs Monate aus einem noch älteren Urteil. Weil eine Strafe des Hersfelder Gerichts da nicht mehr groß ins Gewicht gefallen wäre, wurde sein Verfahren auf Antrag des Staatsanwalts eingestellt.

Der vielfach und einschlägig vorbelastete Berliner, der gerade erst 18 Monate abgesessen und in Kempten eine Bewährungsstrafe von zehn Monaten erhalten hatte, wurde nach einem knappen Geständnis zu weiteren drei Monaten verurteilt, ebenfalls zur Bewährung ausgesetzt.

Von Karl Schönholtz

Kommentare