Krankenhaus leidet unter Hygiene-Skandal / Wegen Defizits droht Stellenabbau

Bangen im Klinikum Fulda

Das Klinikum Fulda kämpft mit den Folgen des Hygiene-Skandals und früheren, „sehr optimistischen“ Prognosen zur Entwicklung der Fallzahlen. Foto: Daniel Krenzer

Fulda. Dass Klinikum Fulda wird sich bis zum Jahresende von einer bislang unbestimmten Zahl von Mitarbeitern trennen, um seinen Personalbestand „dem tatsächlichen wirtschaftlichen Bedarf“ anzupassen. In diesem Jahr erwartet das Haus infolge des Hygiene-Skandals ein Defizit von acht bis neun Millionen Euro.

Das erklärte gestern Abend Dietmar Pawlik, Vorstand für den kaufmännischen Bereich des Hauses. Derzeit verfügt das Klinikum über 1930 Vollkräfte (Zahl der Mitarbeiter umgerechnet auf Vollzeitstellen). Konkrete Zahlen zum Stellenabbau nannte der 54-Jährige nicht.

Gerüchte, wonach der Personalbestand um bis zu 100 reduziert werden könnte, könne er weder bestätigen noch dementieren. „Wir werden im Oktober und November zusammen mit den Gremien unseres Hauses daran arbeiten, den korrekten Personalbedarf für die Jahre 2012 und 2013 zu ermitteln. Danach können wir mehr sagen.“

Hoffen auf Fluktuation

Betriebsbedingte Kündigungen schloss Pawlik „momentan“ aus. Er und sein Vorstandskollege Dr. Thomas Menzel hoffen, ihr Ziel einerseits durch „die natürliche Fluktuation von Mitarbeitern“ zu erreichen. Sie liege im medizinischen Bereich erfahrungsgemäß bei fünf bis sieben Prozent im Jahr. Andererseits soll die Probezeit von 15 Mitarbeitern, die im September ausläuft, genutzt werden, das Arbeitsverhältnis nicht zu verlängern. Die Zahl der Ärzte am Klinikum werde wegen des Personalengpasses allerdings nicht verringert, ebenso die Ausbildungskapazität.

Pawlik sprach von „schmerzlichen und nicht einfachen Gesprächen“, die demnächst mit einigen Mitarbeitern zu führen seien. „Das wird in den nächsten Wochen für einige Unruhe in der Belegschaft sorgen“, ist er sich bewusst. Seit Anfang 2010 hatte das Krankenhaus seinen Mitarbeiterstamm von 1810 auf jetzt 1930 Vollkräfte ausgebaut. Neu eingestellt wurden hauptsächlich Pflegepersonal, Ärzte sowie Techniker oder MTAs. Die Expansion war noch unter dem früheren Vorstand Harald Jeguschke eingeleitet worden, der für die kommenden Jahre mit einem überdurchschnittlichen Zuwachs an Fallzahlen am Klinikum von jährlich bis zu sieben Prozent gerechnet hatte.

Bevor sich die Wachstumsprognosen aber überhaupt bewahrheiten konnten, traf der Hygiene-Skandal das Klinikum mit voller Wucht. Nachdem im Januar zunächst Rost an OP-Besteck entdeckt worden war, musste das Haus Anfang April einräumen, dass bis zu 19 Patienten mit möglicherweise nicht völlig keimfreiem Besteck operiert worden waren. Neben dem Imageschaden schmerzten das Krankenhaus erhebliche Einnahmeverluste durch abgesagte OPs sowie zusätzliche Kosten. Von zehn Millionen Euro war Mitte des Jahres die Rede.

Mittlerweile geht Pawlik davon aus, dass diese Zahl „die untere Grenze“ des materiellen Schadens markiert. Deshalb rechnet er mit einem negativen Ergebnis in Höhe von acht bis neun Millionen Euro. „2012 werden wir wieder ein ausgeglichenes Ergebnis erreichen können“, zeigte sich Pawlik optimistisch.

Spekulationen, das Krankenhaus könnte wegen massiver Einnahmeausfälle möglicherweise privatisiert werden, hatte Fuldas Oberbürgermeister Gerhard Möller (CDU) erst kürzlich als „gegenstandslos“ bezeichnet. „Die Stadt will das Klinikum in kommunaler Trägerschaft halten“, hatte Möller versichert, gleichzeitig aber gefordert, dass es sich wirtschaftlich selbst tragen müsse. Deshalb hatte der OB einen „strikten Konsolidierungskurs“ eingefordert.

Von Alexander Gies

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