Großes Medienaufgebot begleitet Übergabe von Verdi-Protest-Unterschriften

Bananen statt Amazon-Manager

Im Blitzlichtgewitter: Die Amazon-Mitarbeiterin Irina Schultheiss vom Empfang hat gestern von Verdi-Sekretär Heiner Reimann (rote Jacke) die knapp 37 000 Protestunterschriften überreicht bekommen. Fotos: Struthoff

Bad Hersfeld. Bei Amazon ist Obst-Tag. Die Frage, ob die ganzen Bananen wohl für die „Affen von der Presse“ sind, quittieren die jungen Damen am Empfang mit vergnügtem Gekicher.

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Ohnehin sehen sie das Gedränge von Fotografen, Kamerateams, Radioreportern und Printjournalisten in der Eingangshalle erstaunlich gelassen. Ungerührt verteilen sie Besucherpässe an die Medienmeute. Ein wenig ungläubig steht Heiner Reimann in seiner knallroten Verdi-Jacke mitten im Gewühl. Es ist schon ein kleines Wunder, dass die Protestwelle überhaupt durch das Stahltor bis in die hochgesicherte Vorhalle des Internetkaufhauses schwappen darf. Neugierig, aber zurückhaltend mustern die Amazon-Mitarbeiter, die gerade aus der Versandhalle in den Pausenraum gehen, den Trubel.

Der Protestbewegung anschließen mag sich aber keiner. Die Verunsicherung in der Belegschaft soll groß sein, hört man aus Gewerkschaftskreisen. Merken tut man das vor Ort nicht. Vor wenigen Tagen soll ein Amazon-Manager bei einer Betriebsversammlung Verbesserung der Arbeitsbedingungen angekündigt haben. Ob es denn wirklich so schlimm sei, wird ein Amazon-Mitarbeiter gefragt. Der zuckt ratlos mit den Schultern. „Naja, ich bin schon seit elf Jahren hier.“

Kritik von Verdi

Verdi-Mann Heiner Reimann betont, dass es deutliche Unterschiede zwischen den Festangestellten und den Saisonkräften gibt. „Den Leiharbeitern geht es ein Stück weit schlechter.“ Reimann erklärt, dass es Verordnungen zur Unterbringung von Saisonkräften gibt. Er moniert außerdem, dass Amazon jetzt den Seepark mit der Kritik allein lasse.

Unterdessen hat Paula Hannemann, die für die Organisation Change.org die Internet-Unterschriftenaktion mitorganisiert hat, die Amazon-Sprecherin Christine Höger am Telefon. Die PR-Frau bleibt ruhig und freundlich. „Es ist leider niemand von der Geschäftsleitung vor Ort, um die Unterschriften entgegenzunehmen, Sie können die Petition aber gern den Kolleginnen am Empfang aushändigen.“

Die Verdi-Leute sind sauer. „Faule Ausreden“, schimpft Bernhard Schiedering, Fachbereichsleiter Handel bei Verdi. Und tatsächlich sickert aus Mitarbeiterkreisen durch, dass die verantwortlichen Operation-Manager in Bad Hersfeld sehr wohl vor Ort sind. „Sie hatten heute früh ein Meeting, das dann schnell beendet wurde, als die Presse auftauchte“, sagt einer, der es weiß. Paula Hannemann glaubt trotzdem an den Erfolg der Aktion. „Nach der öffentlichen Empörung kommt jetzt der Dialog“, meint sie.

Obst-Tag bei Amazon: Bananen machen glücklich, aber offenbar wirkt das nicht bei allen Kritikern.

Zunächst kommt aber die große Stunde von Irina Schultheiss. Die dunkelhaarige Rezeptionistin mit den strahlend blauen Augen steht im Scheinwerferlicht der Presseöffentlichkeit. Im Blitzlichtgewitter nimmt sie von Heiner Reimann die Kiste mit den Unterschriften entgegen. Dann verzieht sich der Medientross.

Der große Showdown blieb zwar aus, die Bilder sind trotzdem im Kasten. Zurück bleibt ein großer Haufen Bananen. Die machen bekanntlich glücklich, aber ob das ausreicht, um den ramponierten Ruf von Amazon und der Region wieder herzustellen?

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