Ausfälle bei Cantus-Zügen machten sich erst am Donnerstagnachmittag bemerkbar

Bahnstreik mit Verzögerung

Noch läuft der Betrieb: Am Donnerstagvormittag waren die Auswirkungen des Streiks am Bebraer Bahnhof noch nicht zu spüren. Nachmittags fielen jedoch zahlreiche Cantus-Züge aus. Fotos: Kessler

Hersfeld-Rotenburg. „Streiktelefon, schönen guten Tag“, meldet sich der gut gelaunte Herr am Ende der Leitung. Es ist 10 Uhr, Stunde sieben des Streiks der Lokführer. „Bad Hersfeld ist wohl weniger betroffen, Bebra schon eher“, sagt er. Welche Züge in den nächsten 40 Stunden ausfallen: „Abwarten.“ Er wünscht eine gute Fahrt.

Ein orange-blauer Zug fährt am Hersfelder Bahnhof ein. Stefanie Butts und Karina Eck aus Bebra steigen aus. Pünktlich. „Wir haben uns schon seelisch darauf eingestimmt, zu warten“, sagt Butts. Auf den Plakaten, die am Bebraer Bahnhof hängen, bittet die Gewerkschaft Deutscher Lokführer (GDL) „um Ihr Verständnis“. Stefanie Butts hat keins. „Zeit ist Geld“, sagt sie.

Auch Thomas Mühlhausen geht es ums Geld. Der Ortsgruppenvorsitzende der GDL Bebra fordert, wie seine Mitstreiter, einen einheitlichen Lohn für alle deutschen Lokführer – auch für die der privaten Cantus-Bahn. In Zahlen ausgedrückt: 2527 Euro brutto – und nach 25 Berufsjahren 3052 Euro. „So weh es tut“, sagt Mühlhausen, „wir brauchen den Kunden als Druckmittel.“

Doch am Donnerstagmorgen sitzen keine Druckmittel auf dem Hersfelder Bahnsteig. Die Cantus-Züge der Linie R 5 rollen. „Bisher sind erst zwei Züge ausgefallen“, sagt die Frau am Bahnhofsschalter. „Um 6.33 und 7.47 Uhr.“

„Cantus hat schon gestern reagiert“, erklärt Mühlhausen. Ersatz-Mitarbeiter aus der Verwaltung steuerten die Hauptlinien zwischen Kassel und Fulda.

Zwei Stunden später, Bahnhof Bebra: Auch hier kommen die Züge pünktlich, die Fahrgäste haben keinen Grund zur Klage. Die Hinweiszettel, mit denen die GDL den Fahrgästen den Streik erklären möchte, hängen auch hier.

Am Nachmittag ändert sich die Lage schlagartig. An die 20 Züge fallen auf den Linien R 5, R 6 und R 7 aus. „Wir haben für heute 35 bis 40 Ausfälle bei den Cantus-Zügen geplant“, sagt Michael Kleinemeier, der am Streiktelefon von Kassel aus freundlich alle Anfragen aus dem Stegreif beantwortet.

Bei Nicole Herms am Schalter der DB-Agentur im Bebraer Bahnhof bekommt man Auskunft über die aktuellen Ausfälle. Gern druckt sie dem Ratsuchenden die Liste von der Cantus-Website aus. „Der R 7 fährt heute nur alle zwei Stunden.“

Von Pia Schleichert und Patrick Kessler

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