Bahnhofs-Verdruss und Little Italy in Bad Hersfeld

Karl Schönholtz

Was haben Bad Hersfeld und Manhattan gemeinsam? Antwort: Hier wie dort liegen Chinatown und Little Italy unmittelbar nebeneinander. Gemeint ist damit bei uns die Gastronomie im Bereich Linggplatz/Johannesstraße.

Ist die asiatische Fraktion hier schon seit Längerem gut vertreten, so holt Italien jetzt mächtig auf: Nach der neuen Eisdiele steht jetzt ein weiteres Speiserestaurant kurz vor der Eröffnung: Das „Michelangelo“ zieht vom Kurpark in die Innenstadt.

Mit dem „Quattro mori“ und dem „Garda“ in Steinwurfweite ist das dann schon eine bemerkenswerte Verdichtung – wenn auch die Bezeichnung „Little Italy“ vielleicht etwas übertreiben ist.

Die neue virtuelle Rekonstruktion der Stiftskirche um 1600, die fotorealistische Auferstehung auch des Hersfelder Klosters und der mittelalterlichen Stadt in filmischem Sequenzen ist ein phänomenaler Erfolg. Der Gesellschaft der Freunde der Stiftsruine werden die DVDs regelrecht aus den Händen gerissen.

Zwischenzeitlich wurde Nachschub der hoch gelobten Arbeit des Frankfurter Computergrafikers Steffen Wiesener geordert; gegebenenfalls auftretende Engpässe an den bekannten Verkaufsstellen werden also kurzfristig überwunden sein. Die Freude über den Erfolg des Projekts, das mit einer Spende der Firma Elektro Hess ermöglicht wurde, ist riesig bei den Machern.

Wer von Bad Hersfeld aus mit dem Zug fährt, hat im Grunde nichts zu meckern. Die Anbindung der Kur- und Festspielstadt an das Netz der Deutschen Bahn ist mit den regelmäßigen ICE- und IC-Verbindungen nach Frankfurt-Flughafen und Dresden beziehungsweise nach Berlin im Fernverkehr geradezu exzellent. Hinzu kommt ausgesprochen freundlicher Service am Schalter des Reisezentrums.

Was dazu überhaupt nicht passt, ist jedoch das Drumherum. Von den fehlenden Zugzielanzeigen am Bahnsteig mal ganz zu schweigen (warum hat Hünfeld eigentlich welche, obwohl dort nur der Nahverkehr hält?), sorgt jetzt die Schließung der Bahnhofshalle für Verdruss. Hintergrund sind personelle Probleme bei den Pächtern des Kiosks. Die wurden von der Bahn-Abteilung Station & Service mit der Schlüsselgewalt für die Halle betraut. Als jetzt die Öffnungszeiten des Kiosks eingeschränkt wurden, drohte folglich auch die Schließung der Halle um 14.30 Uhr – obwohl das Reisenzentrum um diese Zeit noch geöffnet hatte. Samstag und Sonntag ist die Halle eh schon dicht, in den kalten Wintermonaten auch kein Zustand. Hier muss sich die Bahn dringend etwas einfallen lassen. Schließlich haben auch die Züge auch dann mal Verspätung, wenn die Lokführer nicht streiken...

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