NVV gibt düstere Prognose, weil Bund Zuschüsse eingefroren hat

Bus und Bahn: Ein Viertel soll wegfallen

Hersfeld-Rotenburg/Kassel. Nutzer von Bus und Bahn müssen sich ab 2017 auf drastische Reduzierungen des Nahverkehr-Angebots einstellen, falls sich der Bund bei der Finanzierung nicht bewegt. Der Nordhessische Verkehrsverbund (NVV) geht davon aus, dass dann jede vierte Verbindung gestrichen werden muss, sagte NVV-Geschäftsführer Wolfgang Rausch. „Da sieht es ganz düster aus.“

Konkret droht dem NVV, der ein Jahresbudget von 135 Millionen Euro hat, ab 2017 eine Finanzierungslücke von 13 Millionen Euro. Schon jetzt klaffe im Etat ein Loch, das der NVV noch mit Geld aus vorangegangenen Jahren decken könne. 2016 fehlen dem NVV dann 6,3 Millionen Euro. Diese Finanzierungslücke „können wir wohl noch irgendwie schließen“, hofft Rausch.

Knackpunkt für diese Negativentwicklung ist ein Streit über Zuschüsse des Bundes. Derzeit, so Rausch, seien sogenannte Regionalisierungsmittel auf dem Stand von 2014 in Höhe von 7,3 Milliarden Euro für alle Bundesländer eingefroren. Hessen erhalte davon einen Anteil von 7,04 Prozent für drei Verkehrsverbünde.

Laut einem Gutachten gehe die Bundesregierung künftig von einem Finanzbedarf von 7,66 Milliarden Euro aus. Der Bundesrat hingegen habe nach einem eigenen Gutachten 8,5 Milliarden Euro errechnet, erläuterte Rausch. „Wenn das so käme, hätten wir kein Finanzierungsproblem.“

Aber eine Lösung in diesem Streit zeichne sich nicht ab. Wenn es bei den eingefrorenen 7,3 Milliarden Euro bleibe, müsse ein Viertel des jetzigen Angebotes wegfallen. Ziel des NVV sei aber, das aktuelle Angebot in der Region beizubehalten. Dazu gehören auch die Cantus-Züge. „Wir dürfen die Fläche nicht vernachlässigen“, sagte Rausch. In den vergangenen zehn Jahren sei eine halbe Milliarde Euro in das Netz in Nordhessen investiert worden, „jetzt muss es auch bespielt werden“. ZUM TAGE,

HINTERGRUND, SEITE 2

Von Sven Kühling und Claas Michaelis

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