Silke Eberhard und ihr Jazz-Trio präsentieren ein facettenreiches Konzert im Buchcafé

Die Bahn und der Kontrabass

Die Jazz-Saxofonistin und -Klarinettistin Silke Eberhard (rechts) mit ihren Trio-Partnern Kay Lübke (links) und Jan Roder (Mitte) im Buchcafé. Foto: Rödiger

Bad Hersfeld. Die in Berlin lebende Jazz-Saxofonistin und -Klarinettistin Silke Eberhard ist in der deutschen Jazzszene schon längst kein unbeschriebenes Blatt mehr. Die 42-jährige gebürtige Schwäbin hat in den vergangenen Jahren in verschiedenen Jazz-Formationen Erfahrungen und Kritikerlob gesammelt und ist aus der international renommierten Berliner Jazzszene nicht mehr weg zu denken.

Im freien Lauf

Am Donnerstagabend gastierte sie mit ihren beiden Trio-Partnern Kay Lübke (Schlagzeug) und Jan Roder (Bass) im Bad Hersfelder Buchcafé. Die Eigenkompositionen des Trios sind ein Spiegelbild des facettenreichen kontemporären Jazz. Hier werden nur die Grundstrukturen notiert, in der Improvisation lassen die drei Virtuosen ihrer Kreativität freien Lauf durch alle Stilnuancen.

Bei vielen Stücken des Trios ist die Basslinie der Dreh- und Angelpunkt der Komposition. Während der Bass im Grundtempo groovt experimentieren Schlagzeuger Kay Lübke und Saxofonistin Silke Eberhard mit allen erdenkbaren Spieltechniken und erforschen verspielt auch die schwierigsten Betonungen gemeinsam.

Das ganze fließt und verändert sich ständig, da wachsen Töne und Rhythmen kurzzeitig zusammen, um dann genau so schnell wieder zu etwas anderem zu zerfallen. Wie bei einer schnellen Diashow flackern Bebob, Swing, Drum’n’Bass, Freejazz immer wieder kurz auf, aber nicht lange genug, um das Stück stilistisch zu prägen. Auch ein Quentchen Humor durfte im Programm des Berliner Trios nicht fehlen. Ein Stück haben die drei Jazzvirtuosen nach einem bestimmten deutschen Bahnschaffner benannt, der ihnen wegen des sperrigen Kontrabasses regelmäßig Probleme bei ihren Bahnreisen macht.

Tatsächlich kommt in diesem Stück eine kurze Schlagzeugpassage vor, die mit Jazzbesen auf der Snaredrum einen Zug immitiert. Die Komposition verliert wie ein Zwischenhalt öfter an Tempo und zieht dann schnell wieder an.

Bad Hersfelds Jazzfreunde lauschten den facettenreichen Darbietungen des Silke Eberhard Trios gebannt und applaudierten nach jedem Stück des Trios begeistert und wohlwollend. (rö)

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