Die Einkaufsstadt profitiert von florierenden Unternehmen und Rathaus-Politik

„Bad Hersfeld geht es gut“

Pluspunkte und Problemzonen: Im Zentrum der Bad Hersfelder Fußgängerzone gibt es kaum Leerstände (oben rechts), und im Rechberggelände wird eifrig gebaut (unten rechts). Sorgen bereiten dagegen die Breitenstraße ab der ehemaligen Kaufhalle (oben links) und die unbefriedigende Situation in der Johannesstraße mit dem Altstadt-Parkhaus (unten links). Fotos: Schönholtz

Bad Hersfeld. „Bad Hersfeld geht es vergleichsweise gut.“ Das ist die Einschätzung von Martin Knauff, stellvertretender Vorsitzender des Einzelhandelsverbands Hessen-Nord zur gegenwärtigen Situation der Einkaufsstadt. Dank gut aufgestellter Unternehmen wie Amazon, Libri, Grenzebach und TLT sowie ihren Teil-Funktionen eines Oberzentrums sei die Stadt von der allgemeinen Entwicklung abgekoppelt und stehe immer ein paar Prozentpunkte besser da als der Durchschnitt.

Ursächlich für das positive Handels-Umfeld sei auch die „harte Linie“, die die Stadtverwaltung bei der Ausweisung von Sondergebieten fahre, erklärte Knauff. Weil es in Bad Hersfeld keinen Wildwuchs auf der grünen Wiese gebe, „funktioniert bei uns die Fußgängerzone überproportional gut“, sagt der Verbandsvertreter.

Das gilt vor allem für 1a-Geschäftslagen. „Ich habe fast jeden Tag Anfragen von Filialisten auf dem Schreibtisch liegen,“ berichtet Knauff. Leerstände zwischen Rathaus und City Galerie seien folglich die Ausnahme und vorübergehend.

Etwas anders sieht es jedoch bei 1b-Lagen aus. Dazu gehört beispielsweise die Breitenstraße ab der ehemaligen Kaufhalle, wo in jüngster Zeit gleich mehrere Ladengeschäfte frei geworden sind. Das habe nicht in jedem Fall etwas mit Bad Hersfeld zu tun, weist Knauff auf die Quelle-Pleite hin, doch Nachfrage sei eben nur für die beste Lage vorhanden.

Nicht sinnvoll

Deswegen werden sich seiner Ansicht nach auch die Pläne für ein Einkaufszentrum am Brink nicht verwirklichen lassen. „Dieser Bereich ist keine A-Lage, denn die Fußgängerzone ist für eine Stadt unserer Größenordnung um 800 Meter zu lang,“ sagt Knauff. Ein reiner Lebensmittelmarkt sei an diesem Standort nicht sinnvoll, argumentiert er, und für ein richtiges Einkaufszentrum fehle es an Fläche.

Bewegung ist derzeit auf dem Rechberggelände: Knauff selbst lässt die „Raumgalerie“, ein Dienstleistungszentrum rund ums Wohnen bauen, für Aldi und dm-Drogeriemarkt entstehen neue Gebäude, tegut plant den Um- und Neubau des bestehenden Marktes, und OBI will sich in Richtung Rechbergzentrum vergrößern.

Dass aus der im vergangenen Jahr anvisierten Gesamtlösung für diesen Bereich nichts wurde, bedauert Knauff noch immer, doch die jetzt begonnene kleinteilige Erneuerung sei als „zweitbeste Lösung keine schlechte.“

Von Karl Schönholtz

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