Man weiß nie, wer einsteigt: Der Alltag im Taxi-Gewerbe ist manchmal aufregend

Babys und Nachtschwärmer

Werkstatt auf dem Firmengelände: Fitz Hebig, mit 20 Jahren schon Taxi-Unternehmer in Bebra. Foto: Lenz

Bad Hersfeld/Bebra. „Das ist der Beruf, bei dem man morgens aufsteht mit dem Gedanken: Was bringt der Tag heute für Überraschungen?“, beschreibt die Bad Hersfelder Taxi-Unternehmerin Birgit Scholz die Faszination des Gewerbes.

Schließlich kann es ihr passieren, dass sie bei der Beförderung eines Privatpatienten an die Nordsee an einem Tag tausend Kilometer zurücklegt. Oder dass sie vom Sondereinsatzkommando der Polizei filmreif gestoppt wird, weil sie einen gesuchten Straftäter als Fahrgast an Bord hat, ohne es zu wissen – bei der Erinnerung an dieses Erlebnis zittern ihr heute noch die Knie.

„Schöne Erlebnisse haben Sie dann, wenn Sie zum Beispiel Leute vom Krankenhaus abholen, die gerade ein Baby bekommen haben“, erklärt die Taxi-Unternehmerin. Aber es gebe auch die weinende alte Frau, die zu ihrem sterbenden Mann gerufen wurde. Eben die Höhen und Tiefen des Lebens.

Schön, wenn dabei nach einer Acht- oder Neun-Stunden-Schicht auch noch etwas Geld in der Kasse bleibt. Denn reich werden könne man mit dem Gewerbe nicht, räumt Birgit Scholz ein und zählt auf: Abschreibung des Autos, das ja auch eine Sonderausstattung braucht, Treibstoff, Wartung und Reparaturen, Bezahlung des angestellten Fahrers, Versicherungen, Eichgebühren fürs Taxameter.

Trotzdem hat sie sich jetzt um eine der beiden vakanten Konzessionen in Bad Hersfeld beworben und ein zweites Auto bestellt. Wenn das einsatzbereit ist, soll es ihr Sohn Andreas fahren.

Chef darf noch nicht

Eine Zukunft für das Taxi-Gewerbe sieht auch Fritz Hebig, der Chef der Taxi-Firma Keßler in Bebra. Der Zwanzigjährige hat das 82 Jahre alte Unternehmen gewissermaßen von seinem Onkel geerbt und ist noch zu jung, um selbst Fahrgäste zu befördern: Die dafür notwendige Lizenz bekommt er erst mit 21. Ein halbes Dutzend Taxen betreibt die Firma im Bebraer Stadtgebiet und hat dafür etwa doppelt so viele Fahrer unter Vertrag.

„Das ist ein gewisses Problem“, räumt Hebig ein, „zuverlässige Fahrer zu finden, die auch mit den Fahrgästen gut zurecht kommen.“ Denn die sind oft schon älter und möchten die Taxifahrt für ein Schwätzchen nutzen. Taxi Keßler rekrutiert seine Fahrer daher gern unter den pensionierten Beamten von Bahn, Post, Polizei oder Zoll, die wegen des einst bedeutenden Bahnhofs in der Stadt reichlich ansässig sind und sich gern noch etwas dazu verdienen.

Noch weniger als die Kollegen im größeren Bad Hersfeld könnten die Bebraer Taxifahrer von den Kurzstreckenfahrten im Stadtgebiet leben. Auch hier tragen Patientenfahrten zu auswärtigen Uni-Kliniken oder zur Dialyse das Geschäft, im speziellen Fall auch der Transport von DB-Lokführern zur Einsatzstelle nach Kassel.

Jungunternehmer Hebig könnte sich auch vorstellen, sich um eine Konzession in Bad Hersfeld zu bewerben und dort eine Zweigstelle zu eröffnen. Aber das ist noch Zukunftsmusik.

Von Peter Lenz

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