IHK-Konjunktur-Umfrage: Die meisten blicken skeptisch in die nahe Zukunft

Aussichten sind eher trüb

Das Gastgewerbe ist zufrieden: Unser Foto zeigt Michael de Marchi, Chef und Koch im Rotenburger Gasthaus „Goldener Löwe“, mit Mitarbeiterin Sarina Kutschminsky. Foto: Steinbach

Hersfeld-Rotenburg. Die Geschäftslage in Nordhessens Unternehmen ist in den vergangenen Monaten stabil geblieben und wird derzeit besser eingeschätzt als noch vor einem Jahr. Das schreibt die Industrie- und Handelskammer Kassel in ihrem aktuellen Konjunkturbericht. Seit der Herbstumfrage hat sich allerdings etwas mehr Skepsis breit gemacht, was die Geschäftserwartungen für die absehbare Zukunft angeht.

Das habe mit der europaweiten Schuldenkrise zu tun und mit einer verbreiteten Unsicherheit, welche Auswirkungen dies auf wirtschaftliche Rahmenbedingungen haben kann, sagt Thomas Rudolff, Geschäftsführer Kommunikation bei der IHK: „Es ist viel Unsicherheit im Spiel.“

Im Klima-Index der IHK schlägt sich das nieder: Er sank seit Herbst leicht von 115,8 auf 113,5 Punkte (100 Punkte entspricht dem Mittelwert aller möglichen Einschätzungen zu Geschäftslage und -erwartungen). Eine immer noch gute Kennzahl, sagt Rudolff, zumal wichtige Rahmenbedingungen stimmen würden: Das Auslandsgeschäft sei „absolut intakt“, die Investitionstätigkeit bleibe laut Umfrage auf ebenso hohem Niveau wie die Nachfrage nach Arbeitsplätzen.

Krise kurbelt Nachfrage an

Auch wenn für 2012 deutlich geringere Wachstumsaussichten absehbar seien wie in den beiden vorangegangenen Boomjahren, wirke sich ein stabiler Arbeitsmarkt günstig auf die Binnennachfrage aus. Und die werde – „so verrückt es klingt“ – von der aktuellen Staats- und Finanzkrise weiter angekurbelt. Denn wenn Zinssätze für Sparer unter der Inflationsrate lägen, werde das Geld eher verkonsumiert, statt mit Kaufkraftverlust zur Bank getragen. Alles in allem, so Rudolff mit Blick auf die regionalen Konjunkturaussichten, „ist das Glas mehr als halb voll“.

Zu diesem Bild passt die Entwicklung im Gastgewerbe: In der Branche ist das Geschäftsklima gegen den allgemeinen Trend besser geworden – gegenüber dem Herbst sowie auch im Vorjahresvergleich. Im Großhandel hat sich der Klima-Index gegenüber der Herbstumfrage ebenfalls verbessert. Das liegt vor allem daran, dass die momentanen Geschäfte so glänzend laufen. Was die nähere Zukunft betrifft, folgen die Unternehmen jedoch dem allgemeinen Trend zur Skepsis. Am schlechtesten ist das Geschäftsklima derzeit im Verkehrsgewerbe, wo die aktuelle Lage ebenso unbefriedigend eingeschätzt wird wie die Zukunftsaussichten.

Quer durch die Branchen seien die Einschätzungen recht unterschiedlich ausgefallen, sagt Rudolff. Zwar seien die Zukunftsaussichten leicht eingetrübt, es gebe jedoch „keinen Anlass, Trübsal zu verbreiten“.

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Von Axel Schwarz

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